Bewegungsdrang sei Dank
21.05.2019 MutschellenDer Velo-Moto-Club Berikon feiert sein 100-Jahre-Jubiläum am 24. Mai mit einer Ausstellung
Eine bewegte Geschichte hat der Velo-Moto-Club Berikon. Und das wortwörtlich. Denn der Verein wurde vor hundert Jahren gegründet, um gemeinsame Radtouren zu bestreiten. ...
Der Velo-Moto-Club Berikon feiert sein 100-Jahre-Jubiläum am 24. Mai mit einer Ausstellung
Eine bewegte Geschichte hat der Velo-Moto-Club Berikon. Und das wortwörtlich. Denn der Verein wurde vor hundert Jahren gegründet, um gemeinsame Radtouren zu bestreiten. «Die neugewonnene Mobilität wollte man zusammen ausleben», erzählt der heutige Präsident René Alder.
Sabrina Salm
René Alder sitzt an seinem Esstisch. Vor sich hat er einen Stapel alter Protokolle aus der Vereinsgeschichte des Velo-Moto-Clubs Berikon (VMC). In einem Mäppchen hat er viele Bilder. Fotos, die die Zeit von vor hundert Jahren wiedergeben. Zu sehen sind Mitglieder auf Ausfahrten, an Rennen oder in Position für ein Gruppenbild. Auch hat er eine Beige Blätter vor sich. «Ich arbeite gerade an einer Vereinschronik», sagt der heutige Präsident. Edith Karpf, die ihm dabei hilft, habe die Sache angestossen. «Sie kam auf mich zu und fragte, ob ich Unterlagen vom Verein für die Beriker Blätter habe. Das hat mich motiviert, ins Archiv zu gehen.» Entstanden ist die Idee, das gefundene Material in einer Ausstellung den Vereinsmitgliedern und Interessierten zu zeigen. Es sei eine spannende Zeitreise geworden, die nun am Freitag, 24. Mai, im Bürgisserhus in Berikon präsentiert wird
Im «Grüenebode» beschlossen, Verein zu gründen
«Karl und Werner Berger sowie Eugen Koller arbeiteten in der Wagonfabrik Schlieren. Der Arbeitsweg wurde gemeinsam per Rad zurückgelegt», erzählt René Alder aus der Vorgeschichte der Gründung. «Der Gedanke, auch einmal an einem Sonntag eine gemeinsame Radtour zu machen, war naheliegend.» Zusammen mit Paul Wiederkehr gings über Arth-Goldau und Biberbrugg nach Einsiedeln und zurück via Sihltal. «Bei einem Most im Restaurant Kreuz (heute ‹Grüenebode›) wurde beschlossen, einen Verein zu gründen.»
Und so fand am 16. September 1919 die Gründungsversammlung des Velo-Clubs Berikon statt. «Es stand nicht der sportliche Gedanke bei den Gründervätern im Vordergrund», sagt René Alder, «sondern die Mobilität.» Der Erste Weltkrieg war gerade vorbei. Die Menschen wollten sich bewegen. Die Welt sehen. Und mit dem Fahrrad kam man schneller voran.
Volle Fahrt in die nächsten 100 Jahre
Der Velo-Moto-Club Berikon fördert den Radsport in all seinen vielseitigen Aspekten und Formen
Gegründet, um der Mobilität zu frönen, hat der Velo-Moto-Club Berikon schon viele Berg-und-Tal-Fahrten erlebt. Eines ist über die 100 Jahre geblieben: Im VMC Berikon kann man seine Freude am Sport mit Gleichgesinnten teilen und unvergessliche Stunden auf dem Rad erleben.
Sabrina Salm
Freiheit. Bewegung. Reiselust. Diese Worte gewannen nach dem Ersten Weltkrieg an Bedeutung. Das Fahrrad war damals das Verkehrsmittel schlechthin, um schnell von A nach B zu gelangen. Mit dem Velo zur Arbeit zu gehen, war normal. Und genau dieser Umstand und die Lust auf Entdeckung brachten drei Männer (Eugen Koller, Karl und Werner Berger) auf die Idee, einen Verein zu gründen. Im Restaurant Kreuz, heute das Restaurant «Grüene Bode», in Berikon erfolgte diese Gründung am 16. September 1919. Franz Brunner amtete als Gründungspräsident. Der Velo-Club Berikon war geboren.
In den Jahren zwischen 1926 und 1964 festigt und entwickelt sich der Verein. Es ist die Phase des «aktiven Tourenfahrens». Eine grosse Anzahl von Auszeichnungen zeugt von den vielen Aktivitäten. «1965 tritt das Velo mit der Motorisierung etwas in den Hintergrund», berichtet der heutige Präsident René Alder. Aus dem Velo-Club Berikon wird nun der Velo-Moto-Club Berikon.
Der Wettbewerb bekommt Bedeutung
Seit neun Jahren führt René Alder den Verein. Er hat für das 100-Jahr-Jubiläum im Archiv gewühlt und alle Sitzungsprotokolle gefunden. Für die Ausstellung im Bürgisserhus (siehe Kasten) hat er sich an das Schreiben einer Chronik gemacht. «Mitte der 60er-Jahre pflegte der Verein viele weitere Aktivitäten wie Vereinsreisen oder das Lotto», erzählt er. «Und ab den 70ern begann der VCM Berikon verschiedene Rennen zu organisieren. Der Wettbewerb wurde wichtiger.» So wurde auch der interne VMC-Cup eingeführt.
«Der erste sportliche Höhepunkt in der Vereinsgeschichte ist sicherlich am kantonalen Mannschaftsfahren 1993 gelungen», sagt Alder. Berikon 1 mit Patrick Sauder, Michael Rieble, Felix Herzog und Urs Peterhans erkämpfte sich den 3. Rang vor Berikon 2. Allgemein konnte der Velo-Moto-Club Berikon in den 90er-Jahren einige Erfolge verbuchen. So wurden die Damen 1995 erstmals Aargauer Meisterinnen am Mannschaftsfahren. Im selben Jahr führte der VMC sein erstes Bikerennen durch.
Von Höhen und Tiefen
«Zwischen 2000 und 2008 musste unser Verein einiges neu aufgleisen», liest René Alder aus den Unterlagen vor. «Wegen abnehmendem Interesse werden die Jahresprogramme kleiner.» Kilometerzeitfahren, Vereinsreise oder Paarzeitfahren verschwinden nach und nach.
Im Jahr 2011 sieht es dafür aus sportlicher Sicht sehr erfreulich für den VMC Berikon aus. Mit Mike Schär haben sie den ersten lizenzierten und erfolgreichen Downhiller bei den Junioren. Er holt sich sogar den U17-Schweizer-Meister-Titel im Downhill und belegt auch in den kommenden Jahren gute Plätze mit Meister-Titeln. Ebenfalls nennenswert ist der Senioren-Weltmeister-Titel im Bergrennen von St. Johann von Kaspar Zwicky.
Heute hat der Verein, der rund 80 aktive Mitglieder zählt, eine Rennvelo- und eine Bikergruppe. «Viele Mitglieder sind bei beiden dabei.» Jede Gruppe trifft sich einmal wöchentlich für Touren. «Natürlich sind auch E-Bikes bei uns willkommen», sagt Alder. Bei den Ausfahrten werde aufeinander Rücksicht genommen. «Bei uns sind alle richtig, die in einer Gruppe sportlich Velo fahren wollen und sich auch messen möchten. Aber wir sind auch für Anfänger und Jugendliche ab 10 Jahren offen, die gerne den Velosport kennenlernen wollen», so René Alder.
Mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen
Sorgen bereitet René Alder das Fehlen des Nachwuchses. Hatten sie 2010 noch einen Boom an Anfragen, bleiben diese heute fast aus. «Ich habe das Gefühl, die Jungen möchten keine Verpflichtungen mehr eingehen. Ausserdem hat das Ansehen des Radsports durch Dopingskandale gelitten.» Der VMC Berikon bleibe aber an den Jugendlichen dran und bietet weiterhin Radtouren unter fachkundiger Leitung an.
«100 Jahre erreicht man nicht einfach so», findet René Alder. «Da muss ein guter Kern vorhanden sein, der den Karren zieht, und es muss auch eine gute Gemeinschaft geben, die hinter dem Verein steht.» Der Präsident wünscht sich für den Verein, dass er weiterhin viel Glück hat. «Wir wurden von schlimmeren Unfällen verschont und haben untereinander einen guten Spirit. Ich hoffe, das bleibt so.» Trotzdem weiss er, dass beim Verein eine Verjüngung nötig ist. «Damit der Velo-Moto-Club Berikon auch für die nächsten 100 Jahre gewappnet ist.»
Jubiläumsausstellung
Am Freitagabend, 24. Mai, ab 18.30 Uhr findet ein Jubiläums-Apéro im Bürgisserhus in Berikon statt, wo eine kleine Ausstellung über den VMC Berikon gezeigt wird. Ebenfalls plant der Verein am 24. August ein Plausch-Paar-Zeitfahren für jedermann. --sab




