Vom Afrikavirus gepackt
29.03.2019 BremgartenHanspeter Dubler übergibt sein Fotofachgeschäft und hat Spannendes vor
Am 1. Dezember könnte er das 30-jährige Bestehen seines Unternehmens feiern. Stattdessen hat er «Foto Dubler» verkauft. 54-jährig, will Hanspeter ...
Hanspeter Dubler übergibt sein Fotofachgeschäft und hat Spannendes vor
Am 1. Dezember könnte er das 30-jährige Bestehen seines Unternehmens feiern. Stattdessen hat er «Foto Dubler» verkauft. 54-jährig, will Hanspeter Dubler seinem Leben neue Inhalte geben.
Lis Glavas
«Ich stehe jeden Morgen gerne auf und gehe nach wie vor gerne ins Fotogeschäft im ‹Sunnemärt›. Ich habe einen guten Job und ein Superteam. Trotzdem denke ich, dass 30 Jahre genug sind. Es gibt noch mehr. Ich möchte intensiver leben, mehr reisen und mehr Zeit haben, mehr in kurzen Hosen unterwegs sein», erklärt Hanspeter Dubler. Jetzt sei er noch im Saft. Die Ausbildung, die er sich vorgenommen hat, sei ziemlich streng, und jünger werde er nicht. Für das Ladenzentrum und den Gewerbemix in Bremgarten ist wesentlich, dass der Käufer seiner Firma das Fotofachgeschäft am gleichen Standort weiterführen wird.
Zwischen zwei Kulturen pendeln
Dem Gerücht, er wandere aus, widerspricht er lachend. «Nein, ein Kandidat für die SRF-Sendung ‹Auf und davon› bin ich nicht. Nach wie vor fühle ich mich hier zu Hause. Meine Wohnung in Bremgarten werde ich behalten.» Er wird am 1. Oktober im Krüger Nationalpark in Südafrika eine einjährige Ausbildung zum «Professional Field Guide» starten, zum Ranger. Dann wird er zurückkehren und intensiver und vielseitiger betreiben, womit er sich nebenberuflich seit einigen Jahren beschäftigt. Er organisiert Fotoreisen nach Südafrika und Uganda. «In kleinen Gruppen besuchen wir ausgewählte, schöne und spezielle Orte, entdecken in Uganda die Berggorillas und in Südafrika das Grosswild. Die Reisen sind jeweils gut gebucht.»
Begonnen hat es vor vielen Jahren mit ganz normalen Ferien in Südafrika, welche er bei einem Freund verbrachte. «Der Afrikavirus hat mich schnell erwischt, und so bin ich immer wieder nach Südafrika, später auch nach Uganda geflogen. Die Natur, die wilden Tiere, die Landschaft, die Menschen, das Klima und die Zeit, welche in Afrika gefühlt viel langsamer läuft, haben mich total gepackt.» Dieses andere Tempo fahre ihm jedes Mal ein. «Das fühlt man schon, wenn man aus dem Flugzeug steigt.» Doch steigt er dann in Zürich wieder aus dem Flieger, schätzt er auch unser Tempo, unseren Rhythmus. «Schliesslich geht es uns gut, weil wir uns diesem Tempo stellen und viel arbeiten.»
Momentan bildet er sich im Filmen weiter. Nach seiner Ranger-Ausbildung will er sein Reiseangebot ausbauen und gezielter vermarkten. In Afrika Freelancer-Angebote anzunehmen, kann er sich auch vorstellen.
Der Faszination Afrikas folgen
Im Krüger-Nationalpark wird sich Hanspeter Dubler zum Ranger ausbilden lassen
Mut brauchte er, als er sich 24-jährig selbstständig machte. Mut erforderte jetzt auch der Entscheid, sich beruflich neu zu orientieren. Im Oktober beginnt er die einjährige Ausbildung in Afrika. Dann kommt er zurück, um sein bisheriges Hobby zum Business auszubauen.
Lis Glavas
Seit rund fünf Jahren organisiert Hanspeter Dubler Fotoreisen nach Südafrika und Uganda. Die Ranger- Ausbildung soll ihn dazu befähigen, seine Angebote auszubauen. «Ich möchte meinen Reisenden mehr zeigen als nur die Fotografie. Afrika hat viel mehr zu bieten. Und als bekennender Afrikafan wollte ich immer mehr wissen. Deshalb habe ich mich zu dieser Ausbildung entschlossen.»
Unter wilden Tieren und Menschen ohne graue Haare
Die erste Hälfte des Ausbildungsjahres wird in einem Camp im Krüger-Park stattfinden, mitten im Busch, ohne Elektrizität – Beleuchtung schaffen Paraffin- und Solarlampen – und natürlich ohne Zäune. «Mitten unter Löwen und anderen wilden Tieren»», erzählt er vergnügt. «Es gibt dort einfach eingerichtete Zimmer für Jungs und für Mädels, ein Waschzimmer und eine Küche. Der Gemeinschaftsbereich besteht aus einer mit Stroh überdachten, seitlich offenen Plattform. «Lernen werde ich dort viel über die Tiere, das Wildtierverhalten, die Geologie, das Spuren- und Fährtenlesen, über Navigation, Astronomie, das Fahren von Offroadern und das Überleben im Busch. Wird sicher spannend.»
In der zweiten Hälfte soll es dann etwas bequemer werden. «Die werde ich in einer Lodge verbringen, wo ich Praxis sammeln und mich von erfahrenen Rangern weiterbilden lassen kann. Nach einem Jahr und einer bestandenen Prüfung winkt dann das Zertifikat zum ‹Professional Field Guide›.» Seine Klasse wird aus 15 bis 20 Lernenden bestehen. «Wobei ich bestimmt mit Abstand der Älteste und auch der Einzige mit grauen Haaren sein werde» schmunzelt er. «Grösstenteils sind es Südafrikaner zwischen 24 und 28 Jahren, welche diese Ausbildung mit dem Ziel machen, nachher als Ranger in den Parks zu arbeiten.»
Nach dieser Ausbildung wird er nach Bremgarten zurückkehren. Seine Wohnung will er behalten. «Ich habe einige Projekte im Kopf. Was sich davon umsetzen lässt, weiss ich zurzeit noch nicht, das wird sich zeigen. Gedanken mache ich mir zu einem Buch- und/oder Filmprojekt, zu Präsentationen und natürlich weiteren Reisen, die ich organisieren will. Ich glaube, dass ich als Schweizer Ranger und Fotograf Menschen erreichen kann, welche Afrika kennenlernen möchten oder noch mehr darüber erfahren wollen. Wahrscheinlich kenne ich dank der Ausbildung dann auch Orte, die sonst fast niemand kennt.»
Individualreisen in kleinen Gruppen
Wenn er von kleinen Gruppen spricht, für die er die Reisen organisiert, spricht er von vier bis höchstens sechs Teilnehmenden. «Im Offroader soll jeder einen Fensterplatz bekommen. Mit kleinen Gruppen ist es auch leichter, Unterkünfte zu finden und auf Unvorhergesehenes zu reagieren.» Mit nicht einkalkulierten Zwischenfällen ist immer zu rechnen in einer Kultur, in welcher Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit nicht gar so grosse Tugenden sind.
Er schätzt diese Kultur sehr. «Die Lebensfreude dieser Menschen packt mich. Sie ist unglaublich ansteckend, hemmungslos. Es kommt immer wieder vor, dass auf dem Flughafen Arbeitende spontan zu singen beginnen. In Uganda gehe ich mit meinen Mitreisenden in Kirchen, in grosse, pumpenvolle Kirchen. Zwar predigen die Priester gerne eine Dreiviertelstunde lang, wovon wir natürlich kein Wort verstehen. Aber die Stimmung ist immer wieder erlebenswert. Sie tanzen mitreissend zu ihren Gesängen, man fühlt sich wie in einem Popkonzert. Es geht unter die Haut. Bisher haben alle meine Reisegefährten diese Kirchenbesuche geschätzt.» Weder diese noch seine eigene Kultur möchte Hanspeter Dubler missen. Seine Zukunft sieht er im Pendeln zwischen beiden.



