Duell um die Fan-Krone
14.12.2018 SportIm Handballderby zwischen Mutschellen und Muri geht es sportlich um nichts mehr. Allerdings kann der HC Mutschellen den Murianern den inoffiziellen Titel der «Fan-Krone» streitig machen. Die Murianer hatten bisher die meisten Zuschauer an ihren Heimspielen. Mutschellen ist dicht ...
Im Handballderby zwischen Mutschellen und Muri geht es sportlich um nichts mehr. Allerdings kann der HC Mutschellen den Murianern den inoffiziellen Titel der «Fan-Krone» streitig machen. Die Murianer hatten bisher die meisten Zuschauer an ihren Heimspielen. Mutschellen ist dicht dahinter. Severin Kamm und Philipp Galizia, zwei treue Fans, erklären, warum das so ist. --red
«Inkompetent, aber laut»
Handball, 1. Liga: HC Mutschellen – TV Muri (Samstag, 18 Uhr, Burkertsmatt)
Mutschellen und Muri sind bekannt für ihre grandiosen Fans. Vor dem sportlich unbedeutenden letzten Derby zwischen den beiden Teams geht es nur noch um die Fan-Krone der 1. Liga. Severin Kamm (Mutschellen) und Philipp Galizia (Muri) sind zwei Hardcore-Fans, die ihr Team bei jedem Heimspiel unterstützen.
Josip Lasic
2223 Zuschauer kamen zu den sieben Heimspielen des TV Muri. 1860 waren es bei den sechs Partien des HC Mutschellen. In ihrer Erstligagruppe sind die beiden Freiämter Teams die grössten Zuschauermagnete. Doch wer ist der grösste? 364 Zuschauer müssen morgen Samstag auf der Burkertsmatt mindestens erscheinen, damit der HC Mutschellen dem TV Muri die Fan-Krone noch abjagen kann.
«400 Zuschauer erwarte ich beim Derby», sagt Severin Kamm. Der 42-jährige Familienvater ist ein Hardcore-Fan des HC Mutschellen. Er ist optimistisch, dass sein Verein – der es nicht in die Finalrunde geschafft hat – zumindest die Fan-Krone holt. «Ich bin noch nicht lange dabei, dafür sehr sportfanatisch», so der Beriker. In seiner Jugend hat er selbst Handball gespielt. Vor zwei Jahren stiess sein Sohn zu den Junioren des HC Mutschellen. Kamm besuchte neben den Spielen seines Sohnes auch einige der ersten Mannschaft und war schnell vom Grün-Weiss-Virus infiziert. «Es war die Saison kurz vor dem Aufstieg in die 1. Liga. Ich habe gesehen, dass das Team grosses Potenzial hat und bin seither so oft es geht an den Spielen.»
«Muri wird gebührend empfangen»
Da ist er nicht der Einzige, wie der Zuschauerschnitt von 310 Personen pro Heimspiel in der Burkertsmatt zeigt. Wie erklärt sich der HCM-Fanatiker, dass so viele Zuschauer an die Heimspiele der Mutscheller gehen? «Handball ist ein familientauglicher Sport und hat Tradition auf dem Mutschellen. Der Verein war früher bereits in der 1. Liga. Viele Spieler und Anhänger aus dieser Zeit besuchen jetzt die Spiele», so Kamm. «Es hat sich eine Euphorie entwickelt.»
Kamm, der in der 3. Mannschaft des HCM wieder aktiv ist, möchte eine Fan-Kultur auf dem Mutschellen etablieren. «Es wäre schön, wenn wir standardisierte Fan-Gesänge hätten. Momentan rufen wir ‹Kämpfen Mutschellen, kämpfen› oder ‹Hopp Mutschellen› gefolgt von einem lauten ‹Hü›. Auch bezüglich Fanblachen haben wir Luft nach oben», sagt Kamm. «Ich habe eine kreiert. Aber ich kann auch nicht meine ganze Zeit für den Handball aufwenden», ergänzt er lächelnd.
Ein weiterer Pluspunkt bei einem Klassenerhalt der Mutscheller sind die regionalen Derbys. «Wohlen und Muri gehören sportlich zur ‹Crème de la Crème›. Ausserdem gibt es nichts Schöneres im Sport als Derbys.» Deshalb hofft Kamm auch auf einen Sieg gegen Muri. «Sportlich geht es um nichts mehr. Aber ein Derbysieg ist eine Ehrensache. Ich werde so viele Zuschauer wie möglich mobilisieren. Wir werden die Murianer gebührend empfangen und hoffen auf einen Sieg vor grosser Kulisse.»
«Keine Alternativen im Freiamt»
Etwas dagegen hat Philipp Galizia. Musiker, Schauspieler und Muri-Fan. Morgen Samstag kann er am Derby nicht dabei sein. Dass die Mutscheller dem TV Muri die Fan-Krone abjagen können, glaubt Galizia nicht. «Sie brauchen dafür rund 400 Zuschauer. Das sind ganz schön viele», so der 53-Jährige. «Ausserdem geht es nicht um die Quantität, sondern um die Qualität der Fans. Und Muri hat nun einmal die besten.»
Wie bei Kamm spielen auch Galizias Söhne Handball. Der jüngere in der U13/U15 des TV Muri, der ältere in der U15 Regio. Galizia war ebenfalls Junior in den Reihen des TV Muri. «Es gibt ja keine Alternativen im Freiamt», sagt er mit einem Augenzwinkern. Die Rivalität mit Mutschellen ist aus seiner Sicht allerdings zu wenig ausgeprägt. Er schiesst stattdessen lieber gegen den Rivalen aus Wohlen. «Ja gut, sie haben mit Flavio Galliker einen Murianer in ihren Reihen. Schliesslich brauchen sie auch einen guten Handballer. Und Muri hat unter anderem die besten Fans, weil sie am schönsten ‹Oh du Fröhliche› singen können.» Galizia spielt dabei auf das Derby aus dem Vorjahr an. Muri gastierte in der Vorweihnachtszeit in Wohlen und deklassierte den Gastgeber mit 14 Toren Differenz. Galizia stimmte darauf das Weihnachtslied an – den Wohlern gefiel dies gar nicht. «Wenn man an Handballspielen Weihnachtslieder singen kann, dann läuft es», so der Murianer. «Spass beiseite. Wohlen ist aktuell in einem Tief. Das kann jeden Verein treffen. Dass Muri so viele Zuschauer hat, erkläre ich mir dadurch, dass der Verein eine Handballfamilie ist und das Team aus vielen einheimischen Spielern besteht.»
«Sehe gern das ‹Biest›»
Einige davon gehören zu Galizias Lieblingsakteuren. «Carlo Femiano ist ein Ausnahmetalent. Ich sehe aber gerne Linus Staubli und dem ‹Biest› Jerome Zucker zu. Das sind gnadenlose Verteidiger.» Zum Spiel gegen Mutschellen meint Galizia: «Soviel ich weiss, sind einige Spieler der ersten Reihe verletzt. Ich finde es gut, wenn die zweite Reihe Gelegenheit bekommt, sich zu beweisen», sagt er und ergänzt. «Aber eigentlich bin ich sowieso ein Brachial-Fan. Inkompetent, dafür laut.»



