Virtuoses Klangfeuerwerk
20.11.2018 BremgartenBremgarten: Die Stadtmusik begeisterte
Die anspruchsvollen Proben seit Ende Sommerferien hatten sich gelohnt. Am Wochenende begeisterte die Stadtmusik Bremgarten im Casino. Dieses war zweimal bis zum letzten Platz besetzt. Die Zuhörer wurden Zeugen von ...
Bremgarten: Die Stadtmusik begeisterte
Die anspruchsvollen Proben seit Ende Sommerferien hatten sich gelohnt. Am Wochenende begeisterte die Stadtmusik Bremgarten im Casino. Dieses war zweimal bis zum letzten Platz besetzt. Die Zuhörer wurden Zeugen von Stücken wie Jean Sibelius’ «Finlandia op. 26» oder «The wold is not enough». Letzteres wurde von der Sängerin Carmen Cresta veredelt. Dirigent Niki Wüthrich war sichtlich stolz und zufrieden. --red
Ein Fenster zu einer anderen Welt
Jahreskonzert der Stadtmusik Bremgarten war ein voller Erfolg
Die Stadtmusik Bremgarten gehört zu den besten Laienorchestern der Schweiz. Einmal mehr bewiesen die Musiker ihre Virtuosität und ihr Können in einem wahren Feuerwerk der Klänge. Das anspruchsvolle Konzert begeisterte und entführte in eine Welt der Sinne und auf eine Reise rund um den Globus.
Joël Gattlen
1809 wurde das Grossfürstentum Finnland ins russische Zarenreich eingegliedert. Doch die Finnen, seit jeher ein stolzes und eigensinniges Volk, wehrten sich immer wieder gegen die zunehmende Russifizierung. Teils auch mit sehr subtilen Mitteln. So kreierte der finnische Komponist Jean Sibelius 1899 die sinfonische Dichtung «Finlandia op. 26», die einerseits den inneren Kampf Finnlands gegen Russland darstellt und andererseits als eine Rückbesinnung auf finnische Tradition und Kultur zu verstehen ist. Das Musikstück wurde von der Stadtmusik Bremgarten meisterlich umgesetzt. So erstaunt es nicht, dass der Funke, den Sibelius schon 1899 zünden wollte, auch auf das Bremgarter Publikum übersprang. «Es ist eines meiner Lieblingsstücke», schwärmte Dirigent Niki Wüthrich.
Feine Nuancen überzeugten
Das Jahreskonzert fand an zwei Abenden statt. Während jeweils rund zwei Stunden verzauberte das Orchester sein Publikum. Lobenswert sind die feinen Details, welche den musikaffinen Zuhörerinnen und Zuhörern auffielen. So sorgten insbesondere Nuancen wie etwa punktuelle Xylofonklänge immer wieder für erfrischende Überraschungen, nur um kurz darauf in ein monumentales musikalisches Feuerwerk zu münden. Moderatorin Seraina Kalchofner führte mit interessanten Fakten und viel Charme durch das Programm.
«Wir sind sehr zufrieden mit dem Konzert. Es freut uns auch ausserordentlich, dass beide Konzerte bis auf den letzten Platz besetzt waren», war Dirigent Wüth rich begeistert. Seit beinahe zehn Jahren leitet er das Orchester im Reussstädtchen nun schon. «Die Proben sind sehr anspruchsvoll und fordern von den Musikerinnen und Musikern stets eine gute Vorbereitung. Dennoch steht die Freude an der Musik bei uns immer an erster Stelle. Für das aktuelle Konzert üben wir seit dem Ende der Sommerferien.»
Jungmusiker überzeugt
Mit dem Musikstück «Windows of the World» präsentierte die Stadtmusik ein musikalisches Potpourri, welches in unterschiedlichste Regionen der Erde entführte. So konnte man regelrecht das musikalische Feuer Brasiliens spüren. Tribale Klänge versetzten einen sofort in die Savannen Afrikas. Der Titel des Musikstücks fungierte gleichzeitig auch als Namensgeber für das gesamte Programm des Jahreskonzerts.
Ein ganz besonderes Highlight war die erste Zugabe des Konzerts. Gespielt wurde das Stück «Brooklyn», welches von Musiker Matthias Schneebeli arrangiert worden war. «Dieser hat bereits letztes Jahr im Rahmen seiner Maturaarbeit ein komplettes Stück für unser Jahreskonzert arrangiert. Das war sehr aufwendig, aber ein voller Erfolg», betonte Wüthrich. Dieses Jahr arrangierte Schneebeli das Stück nicht nur, sondern trat obendrein auch erstmals als Posaunensolist auf. Seine Darbietung wurde vom Publikum mit tosendem Applaus honoriert. Bei der zweiten Zugabe «The world is not enough» wurde das Orchester gesanglich von Sängerin Carmen Cresta begleitet.
Viel Lob und wenig Kritik
«Wir begleiten die Stadtmusik seit rund 20 Jahren. Seither ist das Niveau immer besser geworden», lobten Hans und Ruth Fischer aus Bremgarten. «Das heutige Konzert war vom Anfang bis zum Ende sensationell und einmalig.» Differenzierter sah dies Guido Baumgartner aus Bremgarten: «Die Stadtmusik spielt auf höchstem Niveau. Die Akzentuierung ist nahezu perfekt.» Der Politiker und Geschäftsmann monierte jedoch: «Die Stückauswahl des Jahreskonzertes könnte abwechslungsreicher sein. Eine Zweiteilung des Programms wäre ideal. Im ersten Teil könnte der Fokus auf technisch besonders anspruchsvollen Stücken liegen, und im zweiten Teil könnte die Stadtmusik dafür neu auch etwas peppigere und zeitgenössischere Musik spielen, welche durchaus auch sehr anspruchsvoll zu spielen sein kann. Eine solche Gliederung würde meiner Meinung nach bei einem breiteren Publikum ankommen.» Kritik brachte Baumgartner jedoch nicht nur am Orchester, sondern auch bei den Zuschauern an: «Viele sind nicht dem Anlass entsprechend angezogen und sind klar underdressed. Ich habe sogar Leute in Wanderhosen gesehen. Das geht gar nicht.»



