Auf Nummer sicher gehen
09.10.2018 BremgartenBremgarten: Besuch bei Pilzkontrolle
Rund 100 000 Pilze sind weltweit bekannt, in Europa ein paar tausend. Davon sind nur zirka 200 essbar, ebenso viele giftig und 20 lebensbedrohlich. Sachkundige Kontrolle empfiehlt sich.
Rekordernten sind ...
Bremgarten: Besuch bei Pilzkontrolle
Rund 100 000 Pilze sind weltweit bekannt, in Europa ein paar tausend. Davon sind nur zirka 200 essbar, ebenso viele giftig und 20 lebensbedrohlich. Sachkundige Kontrolle empfiehlt sich.
Rekordernten sind dieses Jahr nicht zu erwarten. Die Waldböden waren über längere Phasen viel zu trocken. Eine kurzfristige Explosion vor Saisonende ist aber noch nicht ausgeschlossen.
Seit 2015 sind Jolanda Guglielmo aus Bremgarten und Ewald Wagner aus Zufikon amtliche Pilzkontrolleure. Bisher hatten sie den Auftrag von sieben Gemeinden. Jetzt besuchen auch Sammlerinnen und Sammler aus den Oberfreiämter Gemeinden die Kontrollstelle in Bremgarten. Mit viel Sachkenntnis beraten sie ihre Kundschaft, während sie selbst sich laufend weiterbilden. Denn in der Pilzkunde habe man nie ausgelernt, betonen sie. Kommt hinzu, dass es sich um ein Naturprodukt handelt, das dem Wetter ausgesetzt ist und nicht immer aussieht wie die Abbildung im Pilzkundebuch. --gla
Grosses Feld mit vielen Tücken
Pilzkontrolle: Auch Oberfreiämter Sammler besuchen jetzt Jolanda Guglielmo und Ewald Wagner
Sie sind die amtlichen Kontrolleure von jetzt 21 Freiämter Gemeinden. In der Pilzsaison bieten Jolanda Guglielmo und Ewald Wagner ihre Dienstleistung an wöchentlich drei fixen Terminen an oder flexibel nach Vereinbarung.
Lis Glavas
Die Kontrollstelle befindet sich im Eingang des Werkhofgebäudes am Augraben. Ab Anfang August bis zirka Ende Oktober und nach Bedarf auch länger begrüssen Ewald Wagner (Zufikon) und Jolanda Guglielmo (Bremgarten) Sammlerinnen und Sammler mit deren Ernten. Dieses Jahr haben sie den 4. November als letzten Kontrolltag festgesetzt, es sei denn, auf den Waldböden ereigne sich noch ein Explosion. Für Einwohner der angeschlossenen Gemeinden ist die Kontrolle gratis, andere bezahlen fünf Franken. Die offiziellen Termine sind Mittwoch, Samstag und Sonntag, jeweils von 17 bis 18 Uhr oder länger, wenn die Stunde nicht reicht.
Langsam herantasten
Andrea und Jürg Schäublin outen sich als Anfänger. Sie wohnen in Merenschwand und haben an der Volkshochschule Oberes Freiamt einen Kurs besucht. Jetzt geniessen sie das Sammeln als schönes Naturerlebnis im Wissen, dass Pilzkunde eine weites Feld mit vielen Tücken ist. «Ob wir nach Boswil oder nach Bremgarten zur Kontrolle fahren, spielt uns keine Rolle», sagt Jürg Schäublin, «es lag jetzt am Heimweg.»
12 Oberfreiämter Gemeinden haben sich der Pilzkontrolle in Bremgarten angeschlossen. Zu dieser kommen auch Sammler aus Zufikon, Eggenwil, Rottenschwil, Berikon, Widen und Oberwil-Lieli. Die bisher im Oberfreiamt zuständige Kontrolleurin sei aus Boswil weggezogen, erzählt Ewald Wagner. «Daraufhin hat Boswils Gemeindeschreiber Daniel Wicki verschiedene Kontrollstellen kontaktiert. Die Wahl fiel schliesslich auf Bremgarten.»
Das Sammelsurium einer Frau erweist sich als mehrheitlich ungeniessbar. Nach dem Aussortieren mit entsprechenden Informationen bleiben zwei kleine Pilze übrig. Sie nimmts gelassen. «Ich rechnete nicht mit einem Nachtessen», lacht sie. Der Wunsch beziehungsweise die Botschaft der Kontrolleure: «Sammler sollten sich langsam an die Materie heranarbeiten, nicht meinen, sie könnten in Kürze gute Kenner werden. Deshalb raten wir, am Anfang nur wenig mitzubringen.»
Nie in Plastiksäcke geben
Was Anfänger im eigenen Interesse auch beherzigen sollten, ist die Verwendung von Körben. In Papiersäcken ist die Gefahr grösser, dass die Pilze zerdrückt werden. Absolut falsch sind Plastiksäcke. Darin zersetzen sich die Pilze rasch, und auch Speisepilze können dadurch giftig werden.
Aus Eggenwil kommt Fritz Hausherr zu den Pilzkennern. «So sehen wir das gerne», macht Jolanda Guglielmo aufmerksam. Säuberlich hat er seine Pilze in einem Obst- und Gemüsekistchen getrennt. 20 Gramm bringen die Pfifferlinge auf die Waage und 320 Gramm die Frauen-Täublinge. Dann ein Safranschirmpilz. «Wenn Sie an ihm reiben, riechen Sie das Iodoform», erklärt Jolanda Guglielmo. Dieser Geruch erinnert an den des Safrans. Der Safranschirmpilz ist geniessbar.
Ewald Wagner und Jolanda Guglielmo übernahmen die Pilzkontrolle in Bremgarten 2015 unter der Bedingung, es gemeinsam machen zu können. «So sind wir beide etwas weniger angebunden», erklärt Ewald Wagner. Sie haben sich in bisher 15 Kursen auch gemeinsam in die Pilzkunde eingearbeitet und werden sich weiterbilden. Die vielen Pilzarten mit ihren unterschiedlichen Charakterismen halten noch viel weiteres Wissen für sie bereit.
Alle Sammlerinnen und Sammler bekommen ein Protokoll ausgehändigt. Dieses dient ihrer Wissensbildung. Je eine Kopie geht an die Lebensmittelkontrolle des Kantons und an die VAPKO, die Schweizerische Vereinigung amtlicher Pilzkontrolleure.
Pilzessen des Pilzvereins
Am Samstag und Sonntag, 27. und 28. Oktober, findet der Markt der Vielfalt statt. Zu diesem Herbstmarkt gehört seit Jahrzehnten das Pilzessen des Pilzvereins Bremgarten im Reussbrückesaal. Am Samstag dauert es von 9 bis 18 Uhr, am Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Viel zu trocken sei es bisher gewesen, um von einer reichen Ernte sprechen zu können, bedauert Präsident Peter Füglistaler. Auf das Pilzessen des Vereins hat das keinen Ein- fluss. «Entsprechend kaufen wir mehr Pilze aus Kulturen zu. Unser Rezept hat Tradition. Die Zusammensetzung verschiedener Pilzarten ist immer gleich. Das ist wie bei einem guten Orchester, es braucht von allem etwas.»



