Wasser gefunden
28.09.2018 MutschellenWasserverband Mutschellen war erfolgreich
In der Nähe des heutigen Pumpwerkes Breite in Zufikon liess der Wasserverband Mutschellen Probebohrungen durchführen. Das entdeckte Wasser überzeugt in Qualität und Menge.
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Wasserverband Mutschellen war erfolgreich
In der Nähe des heutigen Pumpwerkes Breite in Zufikon liess der Wasserverband Mutschellen Probebohrungen durchführen. Das entdeckte Wasser überzeugt in Qualität und Menge.
Nach 2003 ist das Pumpwerk auf der Ebene vor der Zufiker Kirche auch heuer trockengefallen. Es befindet sich nach heutigen Kenntnissen im Uferbereich eines «Grundwassersees», der unabhängig des Flusslaufes der Reuss ist. Etwa 300 Meter daneben in Richtung Schützenhaus wurde jetzt erfolgreich nach Wasser gesucht. Erste Pumpversuche mit 1200 Minutenliter verliefen vielversprechend. Jetzt werden die 20 Probef läschchen für umfangreiche Untersuchungen der Wasserqualität genutzt. Die vorhandenen Zwischenergebnisse stärken beim Wasserverband die bereits länger vorhandene Idee, sein Pumpwerk in tiefer liegende Kiesschichten zu führen. Bis es soweit ist, müssen noch einige Hürden überwunden werden. Ein Projektierungskredit soll im Frühling bewilligt werden. --red
Erfolgreiche Bohrung
Der Wasserverband Mutschellen will das Pumpwerk Breiten in Zufikon umplatzieren
Wie schon im Trockenjahr 2003 liegt das Grundwasserpumpwerk Breiten auf der Ebene vor der Zufiker Pfarrkirche erneut trocken. Die Pumpe ist seit Mitte Juni abgestellt. Der Wasserspiegel auf dem unterirdischen «Grundwassersee» ist auf 388,18 m ü. M. gesunken, nötig wären mindestens 388,80.
Hans Rechsteiner
Der Regionale Wasserverband Mutschellen versorgt seine Gemeinden und Zufikon mit einwandfreiem Trink- und Brauchwasser. Das günstige Eigenwasser pumpt der «RWVM» aus den beiden Pumpwerken Nüeschhau und Breiten auf Gemeindegebiet Zufikon aus Quellfassungen, vorwiegend am Hasenberg, und er kauft «Zürichseewasser» von der Gruppenwasserversorgung Amt-Limmat-Mutschellen sowie von Bremgarten. Die Verteilung erfolgt über verschiedene Reservoirs auf dem Mutschellen. Das Reusstal-Grundwasser wird hochgepumpt. Letzteres ist für den Wasserverband das Günstigste. Das Eigenwasser verursacht neben der Amortisation der Anlagen nur Produktionskosten.
«Grundwassersee» wie eine Welle
Dass es in der Reussebene einen vom Flusslauf der Reuss unabhängigen «Grundwassersee» gibt, weiss man schon lange. Die Bezeichnung «Grundwassersee» steht nur zum besseren Verständnis in Anführungszeichen, weil es eigentlich ein unterirdisch fliessender und in Tiefen ruhender Fluss ist. Der «Seeboden» ist wie eine Welle. Schon 1972 fand man unter der Ebene «Breiten» gesunde, stark wasserführende kiesige Erdschichten, die bis in eine Tiefe von 34 Meter reichen, unweit der jetzt durchgeführten Probebohrungen. Das Grundwasser läuft wie ein oberirdischer Fluss, nur langsamer. Und ständig fliesst Wasser nach. Es füllt den «Grundwassersee» jederzeit auf. Doch das bisherige Pumpwerk Breiten steht buchstäblich in dessen seichtem Uferbereich. Dort schöpft man Grundwasser aus 15 Meter Tiefe, normalerweise 860 Minutenliter, in der Regel nachts. Der unterirdische Wasserspiegel sinkt in langen Trockenperioden stark ab. Unter dem Pumpwerk Breiten muss er auf 388,80 Meter über Meer sein, damit man problemlos Grundwasser schöpfen kann. Derzeit steht er auf 388,18 m ü. M., ungefähr gleich wie im Sommer 2003. Im Dezember 2017 stand er sogar noch tiefer, auf 388,05. Seit Mitte Juni ist die Grundwasserpumpe stillgelegt. Doch trotzdem sinkt der Wasserspiegel aktuell immer noch um einen Zentimeter pro Woche.
Probebohrungen sofort erfolgreich
Die Idee, das Pumpwerk Breiten in Zufikon in tiefere wasserführende Kiesschichten zu verlegen, um die Versorgungssicherheit des ganzen Wasserverbundes zu erhöhen, ist im Wasserverband schon länger in den Köpfen. Jetzt wird das Vorhaben konkret. Am Mittwoch teufte die auf Sondierbohrungen, Filterbrunnen und Grundwasserfassungen spezialisierte Gebrüder Mengis AG aus Luzern an einer geeigneten Stelle etwa 300 Meter südöstlich des heutigen Pumpwerks Breiten gegen das Schützenhaus hinaus eine Probebohrung ab. Der Geologe Hansruedi Pfister vom Büro Dr. Heinrich Jäckli AG hatte den neuen Standort in aufwendiger Vorarbeit erkundet und gewählt. Er traf voll ins Grundwasser. Im alten «Breiten» hängt die Grundwasserpumpe in 15 Meter Tiefe. Am Sondierstandort ging man nun auf eine Pumptiefe von 18 Meter. Die gesuchte wasserführende Kiesschicht geht aber bis auf 30 Meter hinunter. Geologe Pfister hat vorgeschlagen, dass man im Ausführungsprojekt die neue Pumpe auf eine Tiefe zwischen 22 und 24 Meter setzen solle, damit man auch bei einem stark sinkenden Grundwasserspiegel immer genügend Reserve habe.
1200 Minutenliter Wasser
Die Probebohrung am neuen Standort in der Breiten ist versuchsweise auf 1200 Minutenliter angelegt, das heisst pro Stunde wurden 72 000 Liter gesogen. Den Grundwasserspiegel misst man mit einem Massband, das an der Spitze eine Sonde trägt. Sobald diese ins Wasser taucht, piepst sie. Gepumpt wurde am Mittwoch von 14 bis 18 Uhr und am Donnerstag von 6.30 bis 12.30 Uhr. Aus dem Wasserschlauch sprudelte klares und von Sauerstoff schäumendes Trinkwasser, 12 Grad kalt, zuerst sandig, mit einem wahrnehmbaren erdigen Kiesgout. Verbandspräsident Felix Baur ist hell begeistert: «Klar, geruchlos, kalt – herrlich», heisst seine Beurteilung. Es werden umfangreiche Untersuchungen der Wasserqualität folgen: bakteriologisch, Nitratgehalt, chemische Parameter usw. Jedenfalls wurden über 20 Probenfläschchen abgefüllt.
Der Grundwasserspiegel veränderte sich während der Pumpversuche. Werden 1200 Minutenliter geschöpft, sinkt der Wasserspiegel, jede halbe Stunde gemessen, um vier Zentimeter pro Stunde. «Das ist nichts, und wird schnell wieder nachlaufen», freut sich Felix Baur. Die Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel wurden auch bei den anderen Pumpwerken Alt-Breiten und Nüeschhau, auf Zufiker Gemeindebann, und im Gehren, Unterlunkhofen, präzisen Kontrollmessungen unterzogen.
«Wir werden vorwärtsmachen»
Im Regionalen Wasserverband Mutschellen herrscht vorerst helle Freude über den gefundenen richtigen Standort und das erfreuliche Pumpresultat. Das Projekt hat viel Rückenwind auch vom Kanton Aargau, der schon in den Vorarbeiten deutlich signalisierte, dass für die Regierung das Frischwasser «sehr hohe» Priorität geniesst. Die Bewilligung für die Probebohrversuche war innert einer Woche da.
Dennoch sind noch einige Hürden zu überwinden, bis ein neues Grundwasserpumpwerk in der Breiten steht. Felix Baur nennt den ehrgeizigen Fahrplan: Bewilligungsverfahren, Verhandlungen mit den Grundeigentümern, Verschiebung der Grundwasserschutzzone Breiten. Im Frühling 2019 sollen die Abgeordneten des «RWVM» den Projektierungskredit bewilligen und bereits im Herbst den Baukredit gutheissen. Über die voraussichtlichen Baukosten will der Verband noch nichts aussagen.



