Drei Trainer, drei Ziele
31.08.2018 HandballHandball, 1. Liga: Die Trainer der drei Freiämter 1.-Liga-Teams im Gespräch vor dem Saisonstart
Am Wochenende starten Wohlen, Muri und Aufsteiger Mutschellen in die neue Saison. Die Vorzeichen der Teams sind ...
Handball, 1. Liga: Die Trainer der drei Freiämter 1.-Liga-Teams im Gespräch vor dem Saisonstart
Am Wochenende starten Wohlen, Muri und Aufsteiger Mutschellen in die neue Saison. Die Vorzeichen der Teams sind unterschiedlich.
Stefan Sprenger
Welche Schlagzeile würden die drei Trainer nach der Vorrunde im Dezember gerne lesen? Claude Bruggmann, Trainer des TV Muri, antwortet schnell: «Die Murianer Handballer schaffen es souverän in die Finalrunde.» Mutschellen-Trainer Stefan Konkol, der mit seiner Mannschaft im Frühling den Aufstieg schaffte, sagt: «Mutschellen unter den Top 4. Ligaerhalt gesichert.» Und Daniel Lehmann, Trainer der Wohler Handballer, würde gerne die Schlagzeile «Wohlen schafft Sprung in die Finalrunde dank Derbysieg» lesen. Damit sind auch die Ziele klar für alle drei Freiämter Handball-Mannschaften: Man will in die Finalrunde. Für die einen (Muri) sind die Chancen dazu gross, für die anderen (Wohlen und Mutschellen) wird es eher schwierig. Denn in der 1.-Liga-Gruppe mit total acht Mannschaften dürfen nur vier Teams nach der Qualifikationsrunde im Dezember jubeln. Für die anderen vier geht es in die Abstiegsrunde. Und die Konkurrenz ist gross. «Die meisten Teams sind gestandene 1.-Liga-Mannschaften», sagt Lehmann von Handball Wohlen. Obwohl die Vorzeichen der Freiämter unterschiedlich sind, haben sie doch etwas gemeinsam. Alle drei Trainer freuen sich riesig auf die Freiämter Derbys. Es werden total sechs Begegnungen voller Feuer und Emotionen sein. Beim Treffen sprechen die drei Coaches über die Vorbereitung, den Saisonstart und wieso nie ein Spieler zu einem anderen Freiämter Team wechseln würde.
Die drei Freiämter in der 1. Liga
Handball: So sind die drei Freiämter Teams für die neue Saison aufgestellt
Handball Wohlen
Trainer: Daniel Lehmann
Co-Trainer: Martin Kleiner
Das Kader: Sascha Rudi, Simon Dufner, Simon Eser, Manuel Frey, Flavio Galliker, Christoph Schraner, Adrian Studerus, Andreas Stierli, Dennis Horn, Florio Büchler, Samuel Häusermann, Robert Konecˇnik, Roman Schibli, Silvio Sladoje, Pascal Meyer, Marco Stutz.
Das erweiterte Kader: Lars Rosenboom, Fabio Meier, Marco Von Ballmoos, Raphael Mauch.
Abgänge: David Christen
Zuzüge: Simon Dufner, Flo Büchler, Roman Schibli, Silvio Sladoje, Marco Stutz, Pasci Meyer
Die ersten Spiele:
Samstag, 1. September, 17.45 Uhr: Olten (h)
Samstag, 8. September, 18 Uhr: Mutschellen (a)
Samstag, 15. September 17.45 Uhr: Einsiedeln (h)
TV Muri
Trainer: Claude Bruggmann
Co-Trainer: Mimmo di Simone
Das Kader: Fabian Burkart, Oliver Daepp, Carlo Femiano, Fabian Frei, Jan Heusi, Jonas Heusi, Marc Heusi, Elias Hochstrasser, Tobias Kaufmann, Yorick Kaufmann, Daniel Lang, Dominik Lang, Ursin Schleiss, Lukas Schwenkfelder, Linus Staubli, Simon Steffen, Christian Stenz, Tin Tokic, David Wick, Tobias Wipf, Jerome Zucker.
Abgänge: Noah Gautschi
Zuzüge: Tin Tokic
Die ersten Spiele:
Sonntag, 2. September 16 Uhr: Muotathal (h)
Sonntag, 9. September 15 Uhr: Einsiedeln (a)
Samstag, 15. September 19.30 Uhr: Pilatus (a)
HC Mutschellen
Trainer: Stefan Konkol
Co-Trainer: Jochen Külling
Das Kader: Gal Adamcic, Ricardo Barbian, Pascal Baur, Daniel Bossard, Fabian Brunner, Andreas Füglistaler, Niclas Gündel, Martin Hubli, Janik Küttel, Nick Kyburz, Marc Leuenberger, Walber Candido Miranda Saraiva, Marco Sax, Sven Schönenberger, Fabian Ulrich, Yannick Vetsch, Duje Vukadin, Alex Wagner, Pascal Wymann.
Abgänge: Marko Pantic, Simon Michel, Etienne Walther
Zuzüge: Gal Adamcic, Fabian Brunner
Die ersten Spiele:
Samstag, 1. September 18 Uhr: Einsiedeln (a)
Samstag, 8. September, 18 Uhr: Wohlen (h)
Samstag, 15. September 18 Uhr: Horgen/Wädenswil (h)
Derbys werden Handballfeste
Handball, 1. Liga: Stefan Konkol (HC Mutschellen), Claude Bruggmann (TV Muri) und Daniel Lehmann (Handball Wohlen)
Saisonstart. Ungewissheit herrscht. Die «Routiniers» aus Wohlen wollen überraschen – genauso wie «Neuling» Mutschellen. Und die «Starken» aus Muri werden wohl den Titel der «Nummer 1 im Freiamt» abholen. Was sagen die Trainer?
Stefan Sprenger
Die drei Trainer sitzen am Tisch. Achtet man auf ihre Körpersprache, so ist das meiste Selbstbewusstsein vor dem Saisonstart Claude Bruggmann anzusehen. Der Trainer des TV Muri sitzt zurückgelehnt da, lächelt verschmitzt und sagt: «Wir wollen schnell, schön und erfolgreich spielen». Der 40-Jährige aus Geroldswil, der die dritte Saison als Trainer der Klosterdörfler in Angriff nimmt, ist zuversichtlich, dass es Muri in die Finalrunde schafft. «Es wird eng, aber es ist durchaus möglich. Wenn wir dies schaffen, werden wir unsere Ziele neu definieren.»
Träumt Muri von der NLB?
Der TV Muri – der am Sonntag (16 Uhr) zu Hause gegen Muotathal startet – hat nur wenig Kaderveränderungen in der Sommerpause erlebt. Noah Gautschi ging, dafür kam mit Tin Tokic ein erfahrener Handballer, der schon in höheren Ligen spielte – und sogar Einsätze für die italienische Nationalmannschaft hatte. Er soll die Abwehr stabilisieren und so Muri in die Finalrunde verhelfen.
In der 1.-Liga-Gruppe mit acht Teams schaffen es die ersten vier in die Finalrunde. Die anderen vier Teams müssen in die Abstiegsrunde. Träumt man in den Bachmatten in Muri von der Rückkehr in die Nationalliga B? Trainer Bruggmann lächelt. «Wenn wir wie eine Bombe abgehen, dann vielleicht. Aber ich glaube, das ist momentan kein Thema.»
«Hofmatten-Jungs» werden nicht jünger
Die Nationalliga B. In Wohlen war sie vor zwei Saisons zum Greifen nahe. Schon damals war Handball Wohlen ein Team mit vielen routinierten Spielern. Die meisten davon sind auch heute noch dabei. Daniel Lehmann, Trainer der «Hofmatten-Jungs», will in der Saison 2018/19 «einfach und geradlinig» spielen. Und er will eine starke Abwehr auf dem Feld sehen. Er sitzt beim Gespräch aufrecht, er wirkt locker und angespannt zugleich.
In Wohlen gab es nur den Abgang von Torhüter David Christen. Dafür sind einige junge Talente ins Team gekommen – darunter zwei vielversprechende Kreisläufer. «Wir haben mehr Breite im Kader, das ist gut so. Aber die älteren Spieler werden nicht jünger», sagt er lächelnd und fügt an: «Der Prozess der Verjüngung ist im Gange.» Für den 52-Jährigen fängt die Saison ein paar Wochen zu früh an. Am Samstag (17.45 Uhr) empfängt man zu Hause Olten. Wohlen ist dabei der Aussenseiter. «Weil wir einige neue Spieler haben, braucht es noch Zeit, bis alles eingespielt ist», so Lehmann. Die Wohler wollen es ebenfalls in die Finalrunde schaffen. «Das wird schwierig», weiss der Trainer, der in Rupperswil wohnt.
Der dritte am Tisch ist Stefan Konkol. Es ist seine zweite Saison beim HC Mutschellen. Der 40-Jährige aus Zufikon feierte mit dem Team im Frühling den Aufstieg in die 1. Liga. Er hört sich die Worte der beiden gestandenen 1.-Liga-Trainer genau an. Er und sein Team starten am Samstag (18 Uhr) auswärts in Einsiedeln.
Mutschellen mit knappem Kader
Mutschellen ist der Neuling. «Wir wollen die Euphorie weiterziehen», sagt er. Seine Mannschaft habe «einen guten Mix». Doch etwas macht ihm Bauchschmerzen: «Das knappe Kader.» Die Stammsechs sei 1.-Ligatauglich. In der Burkertsmatt gingen drei Spieler. Mit Gal Adamcic und Fabian Brunner konnte man zwei starke Spieler verpflichten. «Wir wollen den Ligaerhalt», sagt Konkol deutlich. Die Chancen auf die Finalrunde seien «klein, aber vorhanden».
Von der Seite gibt es positive Worte von Muri-Trainer Bruggmann. «Ich habe Mutschellen beim Cupsieg vor wenigen Tagen gesehen. Ich war positiv überrascht. Mutschellen kann jedem Gegner in dieser Liga wehtun.» Bruggmann habe «Mutschellen im Auge», wie er es augenzwinkernd ausdrückt. Denn Wohlen kenne er. Und umgekehrt. Wohlen-Trainer Lehmann beschreibt Muri als «Hauptfavoriten in dieser Gruppe». Der dynamische Handball, den die Mannschaft von Bruggmann spielt, sei «nur schwierig zu stoppen». Bruggmann erwartet von Wohlen «Ähnliches wie in der letzten Saison». Aufsteiger Stefan Konkol spricht dann von einem Testspiel in der Vorbereitung gegen den TV Muri. «Da sind wir auf die Welt gekommen», sagt er. Für Konkol wäre ein Punktgewinn seines Teams gegen Muri «eine grosse Überraschung». Und gegen Wohlen? «Eine Überraschung.»
Muri und Mutschellen holen «Ausländer»
Alle drei Trainer sind sich einig, dass diese 1.-Liga-Gruppe mit Olten, Einsiedeln, Horgen/ Wädenswil, Muotathal und Pilatus «eine heftige Sache wird». Von der Finalrunde träumen alle drei Freiämter. Muri hat dabei mit seinem spektakulären Offensiv-Handball die besten Karten. Dies sehen auch die beiden Trainer von Wohlen und Mutschellen so. Wohlen will mit einem Abwehrbollwerk und schnörkellosem Spiel brillieren – und es so unter die besten vier schaffen. Die Mutscheller wollen die Aufstiegseuphorie mitnehmen. Wenn es keine Verletzten gibt, ist auch ihnen die Finalrunde zuzutrauen. Vor allem mit dem grandiosen Heimpublikum im Rücken.
Beim Gespräch mit den drei Trainern der Freiämter 1.-Liga-Teams wird auch die Transferpolitik der einzelnen Vereine angesprochen. Es sei für alle sehr schwierig gewesen, neue Spieler an Land zu ziehen. Untereinander wirbt man keine Spieler ab. «Das wäre ein unmoralisches Angebot», sagt Konkol. Lehmann ergänzt: «Ganz ehrlich: Ein Wohler wechselt nicht nach Muri.» Bruggmann daneben lächelt und sagt: «Und umgekehrt auch nicht.» Konkol nickt. «Vom Mutschellen würde wohl auch kein Spieler zu Wohlen oder Muri gehen.» Weil es schwierig war, neue Spieler zu verpflichten, haben Muri und Mutschellen einen «Ausländer» engagiert. Muri hat Tin Tokic, Mutschellen hat Gal Adamcic. Beide sagen: «Er passt perfekt ins Team.» Tokic trainiert in Muri noch Juniorenteams. Konkol sagt: «Wir waren gezwungen, Transfers zu tätigen, wenn wir den Ligerhalt erreichen wollen.»
1998 – für alle ein besonderes Jahr
Zum Schluss des Gesprächs kristallisiert sich heraus, dass das Jahr 1998 für alle drei besonders war aus handballerischer Sicht. Claude Bruggmann startete da seine Aktivkarriere. Er wird es bis in die Nationalliga A zu GC und Endingen schaffen. Daniel Lehmann beendete 1998 seine Karriere als Goalie. Lehmann spielte für die Schweizer Nati und bei Suhr in der NLA. Und Konkol musste bereits aufgrund einer Verletzung seine Aktivkarriere beenden.
Nun – 20 Jahre später – wollen alle drei mit ihren Teams eine gute Vorrunde spielen. Und natürlich tolle Freiämter Derbys erleben. «Diese Duelle sind speziell, das Salz in der Suppe», sagt Lehmann. Konkol doppelt nach: «Die Freiämter Derbys werden Handballfeste.» Und darauf freuen sich alle.






