Venedig, Basel, Peking
01.06.2018 Oberwil-LieliOberwil-Lieli: Ingold Gartenbau und Begrünungen – Spezialisten in Europa
Begrünte Fassaden und Dächer, Mitarbeiter mit Kletterausbildung sowie die Produktion von Moosen: Bezüglich Begrünung gehört das Gartenbauunternehmen ...
Oberwil-Lieli: Ingold Gartenbau und Begrünungen – Spezialisten in Europa
Begrünte Fassaden und Dächer, Mitarbeiter mit Kletterausbildung sowie die Produktion von Moosen: Bezüglich Begrünung gehört das Gartenbauunternehmen aus Oberwil-Lieli zu den führendsten in der Schweiz.
Erika Obrist
«Wir sind ein ganz normales Gartenbauunternehmen», sagt Roger Ingold, der zusammen mit seinem Sohn Ramon den Betrieb in Oberwil-Lieli führt. Bestehende Gärten pflegen und umgestalten, neue anlegen, Terrassen begrünen, Rabatten gestalten: Das ist das Kerngeschäft von Ingold Gartenbau und Begrünungen. «Wir sind in der Region gross geworden, der grösste Teil unserer Kunden befindet sich in der Region.»
Nun folgt die Standorterweiterung in die Gärtnerei Baumann in Berikon. Hier soll vor allem Moos produziert und weiter Forschung betrieben werden rund ums Moos. «Die Nachfrage nach Moos steigt, kann es doch Feinstaub aus der Luft aufnehmen und abbauen», weiss Ingold. Ein Moosbild von ihm ist an der Architektur-Biennale in Venedig zu sehen.
Konzept für 100 Hektaren
In den angemieteten Räumen der Gärtnerei Baumann stehen begrünte Plattformen, die in diesen Tagen mit je einem Baum ergänzt werden. Nächste Woche werden die Plattformen nach Basel gebracht: Mit ihnen wird der Eingangsbereich der «Art Basel» begrünt.
Im Basler Zoo hat das Unternehmen das Affenhaus begrünt, nun folgt das Vogelhaus. Und in Zusammenarbeit mit Schifferli Landschaftsarchitekten Bern läuft derzeit die Planung für die Gestaltung eines 100 Hektaren grossen Areals für den Zoo in Peking. Ein Begrünungskonzept gilt es zu erstellen. Zum Vergleich: Das Areal in Peking ist viermal grösser als der Zoo Basel. Beim Büro Schifferli arbeitet Roger Ingold als Fachberater.
Sehr gefragt ist das Unternehmen aus Oberwil-Lieli beim Begrünen von Fassaden und Dächern. In der Schweiz und in den benachbarten Ländern. Die Mitarbeiter mussten für Unterhalt und Pflege der Pflanzen extra eine Industriekletterausbildung absolvieren, denn gearbeitet wird am Seil hängend in luftiger Höhe.
Grün unten, Grün oben
Oberwil-Lieli: Das Gartenbauunternehmen Ingold legt auch «hängende Gärten» an
Ein Pflanzenteppich aus Moos und Farnen im Lichthof eines Bürogebäudes, Bäume auf dem Dach des Hochhauses, begrünte Fassaden: Wer eine nicht alltägliche Begrünung will, der wendet sich oft an Ingold Gartenbau und Begrünung.
Erika Obrist
Roger Ingold steht in seiner Produktions- und Versuchsanlage im Ortsteil Lieli. Auf Steinen wachsen unterschiedlichste Moose, in den langen und beschatteten Beeten ebenfalls. «Wir forschen hier, auf welchem Untergrund und mit welcher Bewässerungsart die Moose am besten gedeihen», verrät er.
Moose sind Pionierpflanzen. Sie gedeihen fast überall: an Baumstämmen, an Hauswänden, auf Steinböden. Roger Ingold jedoch produziert Moose. «Die Nachfrage steigt», weiss er. Deshalb reichen die rund 1500 Quadratmeter in Lieli nicht mehr: Er erweitert die Moosproduktion. In der ehemaligen Gärtnerei Baumann konnte er ein grösseres Areal mieten. Hier wird er künftig ebenfalls Moos produzieren und weiter forschen. Auf 1000 bis 5000 Quadratmetern. «Je nach Nachfrage», so Ingold.
Bewilligung steht noch aus
Hier möchte er auch einen Mustergarten anlegen und ein Regenbecken; Moose müssen mit Regenwasser bewässert werden. Zudem sollen international renommierte Landschaftsarchitekten Mustergärten anlegen. Geplant ist, dass das Areal frei besichtigt werden kann. Das Baugesuch ist längst eingereicht, die Bewilligung steht noch aus.
Seit rund 15 Jahren werden Moose gezogen. «Es braucht Leidenschaft», sagt Ingold. Genauso wie es Leidenschaft brauche für den Gartenbau und die Begrünung. Die Ingold Gartenbau und Begrünung AG gibt es seit 33 Jahren. Beschäftigt werden zehn Mitarbeiter, dazu kommen anderthalb Vollzeitstellen im Büro.
Roger Ingold und sein Sohn Ramon führen das Unternehmen gemeinsam. Ramon Ingold ist zuständig für die Gartenpflege, das Mitarbeitermanagement und die Ausbildung der Lehrlinge. Auch soll er den Betrieb dereinst übernehmen.
Roger Ingold konzentriert sich vor allem auf die Bereiche Bau, Planung und Spezialbegrünungen. Auf diesem Feld ist er seit vier Jahren auch als Fachberater für Schifferli Landschaftsarchitekten in Bern tätig. In etwa 30 Stellenprozent umfasse dieses Engagement. In Sachen Begrünung ist das Unternehmen führend in der Schweiz. Roger Ingold selber ist zudem ein gefragter Referent. So wird der Begrünungsspezialist im September an der Hochschule Geissenheim in Deutschland zwei Referate halten zum Thema «Pflanzenverwendung in der Stadt».
«Grüne Häuser und Stadtbegrünung» ist in diesem Jahr Schwerpunktthema von Grün Stadt Zürich. Als einziger Gartenbauer durfte Ingold an einem zu diesem Thema erstellten Film mitwirken. Auch soll Roger Ingold Referate halten an Fachveranstaltungen.
In Buch aufgenommen
Wenn der 58-Jährige erzählt, ist seine Leidenschaft für «Grüne Häuser und Stadtbegrünung» deutlich zu spüren. Mit der Klimaerwärmung werde es wärmer, die Stürme heftiger und mit dem verdichteten Bauen die Räume weniger. Deshalb würden immer mehr Fassaden und Dächer begrünt. «Pflanzen speichern Feuchtigkeit aus der Luft und sie sorgen für ein angenehmes Klima», so Roger Ingold.
Die Arbeiten des Unternehmens sind in der Schweiz und im grenznahen Ausland zu sehen. Beispielsweise beim Bahnhof Altstetten. Hier hat die Firma den Boden des Liftschachts eines Bürogebäudes in einen Moosgarten verwandelt. So schön und so gelungen, dass er Eingang gefunden hat ins Buch «City Trop – Projekte und Pflanzen für grünere Städte von morgen» von Jonas Reif. Andere Projekte, welche das Unternehmen ausgeführt hat, kann man ebenfalls in diesem Buch finden. Beispielsweise die «hängenden Gärten von Basel».
Grosses Projekt in Rotkreuz
Spezialisiert hat sich Ingold auch auf die Begrünung von Dächern und Fassaden. Mehrere Stockwerke hoch ziehen sich die Pflanzen. Die Mitarbeiter wurden im Industrieklettern geschult, arbeiten sie doch bei der Pflege und dem Unterhalt in Seilen hängend.
Spektakulär wird sicher die Begrünung des Gartenhochhauses Aglaya auf dem «Suurstoffi-Areal» in Rotkreuz. Das Hochhaus wird komplett begrünt, auf dem Dach werden acht Eichen stehen, die acht Meter hoch sind. Die Pflanzen werden seit einem Jahr in einer Baumschule vorkultiviert. «Wir sind stolz, diesen Auftrag gegen Schweizer und internationale Konkurrenten gewonnen zu haben», sagt Roger Ingold. In der letzten Runde sei nicht mehr der Preis ausschlaggebend gewesen für die Vergabe, sondern die grosse Erfahrung.
Trotz Moosproduktion, hängender Gärten und spektakulärer Begrünungen ist das Unternehmen hauptsächlich im Gartenbau tätig. In der Region für Kundinnen und Kunden aus der Region.




