Um Lösungen gerungen
18.05.2018 BremgartenBremgartens Ortsbürger entscheiden am 5. Juni
Seit Jahren wird um die Behebung diverser Mängel im Komplex Zeughaus/ Oberer Zoll gerungen. Die Stadtbibliothek ist nicht hindernisfrei zu erreichen. Die Platzverhältnisse im Eingangsbereich sind eng, es ...
Bremgartens Ortsbürger entscheiden am 5. Juni
Seit Jahren wird um die Behebung diverser Mängel im Komplex Zeughaus/ Oberer Zoll gerungen. Die Stadtbibliothek ist nicht hindernisfrei zu erreichen. Die Platzverhältnisse im Eingangsbereich sind eng, es fehlen Lagerräume. Heizung und sanitäre Anlagen bedürfen dringend der Erneuerung. Mehrere Varianten für die Erweiterung und den Umbau wurden geprüft. An ihrer Gemeindeversammlung entscheiden die Ortsbürger über einen Kredit in der Höhe von 2,345 Millionen Franken. --gla
«Weniger ist mehr» siegte
Oberer Zoll/Zeughaus: Drei Erweiterungs- und Umbauprojekte wurden bewertet
Eine dezente, saubere Lösung, die alle Bedürfnisse mit dem mindest möglichen Aufwand erfülle. So umschreibt Stadtammann Raymond Tellenbach das vom Architekturbüro Schaufelbühl ausgearbeitete Projekt «Less is more».
Lis Glavas
Das Projekt «Less ist more», übersetzt «Weniger ist mehr», des Büros Schaufelbühl trat gegen das Projekt «Metamorphose» des ebenfalls in Bremgarten heimischen Architekturbüros Oswald und gegen das Projekt «Drei Könige» der Firma :mlzd (Abkürzung für «mit Liebe zum Detail») in Biel an. Diese Architekturfirma ist Spezialistin für Umbaulösungen in Altstädten und hat viel Erfahrung im Umgang mit Altbauten in der sensiblen Umgebung von denkmalgeschützten Objekten.
Bedarf unbestritten
Zuvor hatte die Bieler Firma im Auftrag der Stadt die komplexe Aufgabe aus neutraler Sicht geprüft und eine Gesamtbetrachtung verfasst. «In einem wirklich aufwendigen Verfahren wurde um Lösungen gerungen», erklärt Bauverwalter Marcel Weibel. Der Bedarf sei allen klar gewesen. Die Platzverhältnisse (kein Stuhlmagazin, zu wenig Stauraum) sind ungenügend. Die Stadtbibliothek ist nur über eine sehr steile Treppenanlage erschlossen, was die Zugänglichkeit für gehbehinderte Personen und Eltern mit Kinderwagen sehr erschwert oder gar verunmöglicht. Seit vielen Jahren besteht der Wunsch, diese Situation mit dem Einbau einer Aufzugsanlage zu verbessern. Auch die engen Platzverhältnisse im Eingangsbereich sind problematisch. Bei Anlässen mit einer grösseren Anzahl Personen wird ein Durchkommen sehr erschwert. Es fehlen geeignete Räume zum Lagern von Mobiliar und den Instrumenten der Stadtmusik. Die beiden Gebäude werden immer noch mit alten Elektrospeicheröfen beheizt. Sanitäre Einrichtungen sind zu ersetzen oder zu sanieren. Es stehen auch weitere grössere Unterhaltsarbeiten wie der Ersatz von Fenstern und Elektroinstallationen an.
Lebhafte Diskussionen im Beurteilungsgremium
Gestützt auf die Gesamtbetrachtung der Architekten von :mlzd, diverse Machbarkeitsstudien und die Vorgaben der kantonalen Denkmalpflege lud der Stadtrat mehrere Architekturbüros ein, einen Studienauftrag entgegenzunehmen. Es galt, mehr Raum zu schaffen und ein möglichst wirtschaftliches Raumkonzept zu entwerfen. Bewusst machte das Beurteilungsgremium keine Angaben zu einzelnen Flächen. Das schuf einen freien Blickwinkel, ermöglichte freiere Gestaltung. Im Gremium vertreten waren die Ortsbürgerfinanzkommission, die Altstadtkommission, das Team Stadtbibliothek und das Betreibungsamt sowie der Stadtrat durch Raymond Tellenbach. Die kantonale Denkmalpflege hatte beratende Funktion. «Die Beurteilung war nicht einfach, aber spannend», bilanziert Tellenbach. «Es gab lebhafte Diskussionen.»
Anbau bis zur Höhe der Stadtmauer
Die erwähnten drei Architekturbüros reichten ihre Vorschläge ein. :mlzd hätte im Gartenteil zwischen dem Oberen Zoll und der Stadtmauer, hinter welcher der Präsidentengarten liegt, einen Anbau mit grossflächigen Fenstern und Aluminiumfassade hochgezogen, geeignet wohl, um hitzige Debatten auszulösen. Die Büros Oswald und Schaufelbühl schlugen einen optisch dezenten, bis zur Höhe der Stadtmauer reichenden Anbau vor. Das Projekt Oswald vermochte aber in Bezug auf das Raumkonzept weniger zu überzeugen als das Projekt Schaufelbühl.
Im Untergeschoss des Anbaus befinden sich Lagerräume, im Erdgeschoss ein grosszügiges Foyer. Dieses ist verbunden mit dem Eingangsbereich, welcher ab Schellenhausplatz mittels Rampe erschlossen bleibt und Raum bietet für die Liftanlage und die Treppe. Das Basisgeschoss der Stadtbibliothek ist mit dem Lift erreichbar, für die zweite Etage ist ein Treppenlift vorgesehen, die Galerie wird weiterhin nur über die Treppe zu erreichen sein.
Betreibungsamt geht ins Provisorium
Im Gebäude Oberer Zoll ändert sich am meisten. Nebst den anders konzipierten Büroräumlichkeiten für das Betreibungsamt soll weiterer Büroraum zur Vermietung entstehen. Die Wohnung im Dachgeschoss fällt weg. Der Obere Zoll wird vollständig geräumt werden müssen. Mit dem Baubeginn ist frühestens ab Mai nächsten Jahres zur rechnen. Das Betreibungsamt wird sein Provisorium in den heutigen Räumen der Aargauischen Kantonalbank finden, die in den Neubau vis-à-vis des City Centers ziehen wird.
Das Projekt «Less is more» überzeugte auch in finanzieller Hinsicht. Das Bieler Projekt wurde mit 3,2 Millionen Franken veranschlagt, dasjenige des Büros Oswald mit 2,9 Millionen und das von Schaufelbühl Architekten mit 2,3 Millionen. Hinzu kommen Leistungen, welche die Stadt zu erbringen hat, sodass die Ortsbürger am 5. Juni über einen Kreditantrag in der Höhe von 2,345 Millionen Franken befinden werden.



