Holzenergie zum Zweiten
15.05.2018 BremgartenBremgarten: Baugesuch für zweite Wärmezentrale der AEW Energie AG liegt auf
Die AEW Energie AG will ihren bestehenden Wärmeverbund grossflächig ausbauen. Dazu benötigt sie die in der Oberen Ebene geplante ...
Bremgarten: Baugesuch für zweite Wärmezentrale der AEW Energie AG liegt auf
Die AEW Energie AG will ihren bestehenden Wärmeverbund grossflächig ausbauen. Dazu benötigt sie die in der Oberen Ebene geplante Heizzentrale.
Lis Glavas
Mit der geplanten Sanierung der Unterstadtstrassen und -gassen und der darin enthaltenen Infrastruktur bekommt der Wärmeverbund Unterstadt wieder Auftrieb. Im Zuge des Wärmeverbunds Oberstadt scheiterte er 2009 an den Wärmekosten, die mangels genügender Nachfrage deutlich höher ausgefallen wären als die der Oberstadt.
Die Neuüberbauung «Am Ufer» in der Au ist bereits an den Wärmeverbund angeschlossen. Beliefert wird sie von der ersten Heizzentrale, die sich beim Schulhaus Isenlauf befindet. Deren Kapazität genügte noch für die Überbauung. Der Anschluss erforderte die Unterstossung der Reuss. Ab dem Gelände der Überbauung «Am Ufer» führen Wärmerohre unter dem Flussgrund zur Wohlerstrasse.
Die Anbieterin AEW hat die Zusage für den Anschluss des Waffenplatzes. Wie schon 2009 ist das Interesse der Stadt weiterhin gross, am Verbund zu partizipieren. Für den Anschluss des Kirchenbezirks sowie privater Liegenschaften befinde man sich mit der katholischen Kirchgemeinde und Privaten in Abklärungen, berichtet André Matzinger. Er ist der zuständige Projektleiter bei der AEW. Anvisiert werden vorläufig ausserdem gezielt Anschlüsse in der Oberen Ebene sowie das Industriegebiet Fischbacherstrasse.
Insgesamt sieht die AEW Energie AG ein Potenzial, welches die Wärmekosten anders berechnen lässt. Wärmebezüger in der Unterstadt und andere sollten zukünftig zu ungefähr dem gleichen Preis beziehen können wie die Oberstädter, erklärt André Matzinger.
Ausbau in zwei Etappen
Neue Wärmezentrale in der Oberen Ebene geplant
Der neue Wärmeverbund West soll im Endausbau einen Verbund West, die Unterstadt und den Waffenplatz, die Industrien und zukünftige Überbauungen mit Wärme beliefern können. Die Zentrale wird auf einem ehemaligen Parkplatz der Firma Elro gebaut.
Lis Glavas
Seit 2009 betreibt die AEW Energie AG einen Wärmeverbund mit Holzschnitzelheizung, der hauptsächlich Gebiete in Bremgarten Ost und die Oberstadt abdeckt. Jetzt plant sie den Verbund Bremgarten West. Dieser soll das Gebiet des Waffenplatzes, die Industrien Obere Ebene und Fischbacherstrasse, die dereinstige Überbauung des Comolli-Areals und die Unterstadt erschliessen.
Das Baugesuch liegt noch bis 29. Mai in der Bauverwaltung auf. Es weist einen zweiphasigen Ausbau aus. In der ersten Etappe sind ein Holzfeuerungskessel mit einer Leistung von 2400 Kilowatt und ein Ölkessel für 3300 Kilowatt vorgesehen. Ein grösserer Holzfeuerungskessel (3200 Kilowatt) soll eingebaut werden, wenn der Wärmeabsatz die Kapazität des ersten Ausbaus übersteigt, beispielsweise bei der Überbauung des Comolli-Areals. Als Brennstoff werden zur Hauptsache Waldhackschnitzel verwendet und zur Ergänzung Landschaftspflegeholz.
85 Prozent der Wärme aus Holz gewinnen
Die Heizanlage ist bivalent. Hauptenergieerzeuger sind die Holzfeuerungen mit automatischer Beschickung und Abgasreinigung. Die benötigte Wärmemenge soll zu mindestens 85 Prozent aus Holzschnitzeln aus der Region, also CO2-neutral, gewonnen werden. 15 Prozent werden mit einem Öl-Spitzenlastkessel als Redundanz erzeugt. Das Schnitzelsilo und der Öltank sind für die Deckung des Brennstoffbedarfs von fünf bis sechs Tagen bei Volllast ausgelegt. Das Silovolumen beträgt netto zirka 670 Kubikmeter, der Öltank fasst 30 Kubikmeter. Ob der Öltank oberhalb des Zylinderraums oder im Erdreich verlegt wird, soll während der weiteren Planung der Anlage entschieden werden. Bei Volllast, wenn also beide Holzkessel in Betrieb sind, rechnen die Verantwortlichen in den Monaten Januar und Februar mit zwei bis drei LKW-Fuhren à 50 Schnitzelkubik pro Tag.
Die für die Einhaltung der gesetzlichen Emissionswerte erforderlichen Einbauten wie Multizyklon und Feinstaubabschneider sind im Projekt enthalten.
Die Holzfeuerung untersteht der periodischen Kontrolle und Messung der kantonalen Abteilung für Umwelt, Luft und Lärm. Nach der Inbetriebsetzung erfolgt die Schadstoffmessung durch eine unabhängige Instanz. Die Kaminanlagen für Holzfeuerungs- und Ölkessel sind gemäss Empfehlung des Bundesamts für Umwelt im Baugesuch berücksichtigt.
Ein weiteres Baugesuch soll noch für die Photovoltaikanlage folgen, die auf der gesamten Dachfläche der Heizzentrale für den Eigenbedarf an Strom sorgen wird.
Wie Projektleiter André Matzinger erklärt, ist der Baubeginn im August geplant. Momentan läuft die Akquisition von Wärmebezügern weiter. «Unser Ziel ist es, im Sommer zu wissen, in welchem Rahmen wir planen können.» Wie beim ersten Wärmeverbund können Liegenschaftsbesitzer in ihrem Heizraum einen Blindanschluss installieren lassen und später über den Anschluss an den Verbund entscheiden.



