Mit neuer Kraft und Motivation
27.04.2018 BremgartenBremgarten: Musicalverein Mutschellen probt für «No nöd ganz 100»
Seine letzte Produktion liegt vier Jahre zurück. Jetzt hat sich der Verein unter neuer Führung aufgemacht, um an ehemalige Erfolge anzuknüpfen. In knapp einem Jahr soll die Premiere in Wohlen ...
Bremgarten: Musicalverein Mutschellen probt für «No nöd ganz 100»
Seine letzte Produktion liegt vier Jahre zurück. Jetzt hat sich der Verein unter neuer Führung aufgemacht, um an ehemalige Erfolge anzuknüpfen. In knapp einem Jahr soll die Premiere in Wohlen stattfinden.
Lis Glavas
Für seine Probenarbeit hat der Musicalverein Mutschellen wieder bei der Firma Keller im Industriegebiet Fischbacherstrasse Unterschlupf gefunden. Auch seinen Sitz hat er in Bremgarten. Im «Chappelehof» in Wohlen sollen die sieben geplanten Aufführungen stattfinden. Am 28. März nächsten Jahres feiert der Verein die Premiere des Musicals «No nöd ganz 100», geschrieben von der Präsidentin Stacy Gräni.
Profis für Regie und Chorleitung
Der Erfolg des ersten Musicals, «Space Dream», ist legendär. Die Uraufführung fand 1994 in Berikon statt und löste einen ungeahnten Höhenflug aus. Später wurde Space Dream, abgekoppelt vom Verein, jahrelang in Baden und in Winterthur gespielt. Als speziell erfolgreich erwies sich unter den insgesamt neun Produktionen auch «Sister Act», aufgeführt 2004. Nach dem Stück «Schlossherr, ledig, sucht...» gespielt vor vier Jahren, folgte die Zäsur. Kurz nach Probenbeginn musste ein weiteres Projekt wegen Unstimmigkeiten im Verein abgebrochen werden. «Wir mussten uns sammeln, brauchten etwas Zeit», blickt Stacy Gräni zurück. «Fünf bis sechs Leute traten aus. Vier neue Mitglieder haben wir jetzt wieder, insgesamt sind wir 19.» Seine
Konzerttätigkeit allerdings pflegte der Verein weiter. Mit Stacy Gräni bilden Moni Bodenmann und Cinzia Koch-Conti jetzt das neue Führungstrio. «Wir sind jetzt wieder total motiviert und gemeinsam mit den künstlerischen Leitern ein tolles Team», freut sich die Präsidentin.
Sie hat das Stück «No nöd ganz 100» geschrieben und leitet die Produktion. Für Regie und Chorleitung hat der Verein Profis an Bord geholt. Die Regie führt der Schauspieler und Regisseur David Imhoof aus Zürich. Die Leitung des Chors hat der Sänger, Gitarrist und Produzent Christian Ertl aus Bremgarten übernommen. Beide sind beeindruckt vom Spirit und der hohen Motivation der Vereinsmitglieder. Für die Choreografie ist Angela Mannarino zuständig, ein ehemaliges Aktivmitglied. Die Proben haben vor Kurzem begonnen. Das Stück handelt von einer mit nicht ganz lauteren Hintergedanken gebildeten Alters-WG, von Macken und Wehwehchen der kunterbunten Oldiestruppe und von Turbulenzen um das liebe Geld. Der Chor singt bestens bekannte Oldies, ein Ohrwurm folgt auf den anderen.
Sind nach der Durststrecke heiss
Musicalverein Mutschellen probt im Industriegebiet Fischbacherstrasse
Die Proben zur neuen Musicalproduktion «No nöd ganz 100» haben kürzlich begonnen. Der Besuch in einer Chorprobe mit dem Musiker Christian Ertl offenbarte die Begeisterung und das warme Klima in der Truppe.
Lis Glavas
Sie üben den Song «A Hard Day‘s Night». Chorleiter Christian Ertl anerkennt: «Das hat jetzt schon viel besser geklungen. Jetzt tun wir so, als ob wir es schon könnten.» Die Atmosphäre in einem Raum der Firma Keller ist fröhlich, kollegial, die Begeisterung der Sängerinnen und Sänger offensichtlich. Zwar pflegten sie auf der vierjährigen Durststrecke ohne Musicalaufführung ihre Konzerttätigkeit. Jetzt aber sind sie heiss auf ein weiteres Musiktheater.
Stacy Gräni, Vereinspräsidentin und Projektleiterin, hat das Stück «No nöd ganz 100» geschrieben. Nebst dem Chorleiter Christian Ertl bringt der Regisseur David Imhoof Professionalität in die Produktion. Der Präsidentin und ihren Vorstandskolleginnen Moni Bodenmann und Cinzia Koch-Conti steht ein Organisationskomitee zur Seite. Bis zur Premiere am 28. März im «Chappelehof» in Wohlen hat die Truppe noch ein knappes Jahr zur Verfügung.
Alte Ohrwürmer in der Oldies-WG
Mit Play-back singt der Chor zahlreiche bestens bekannte Evergreens. Stacy Gräni nennt ein paar weitere Beispiele: «Mamma mia» von ABBA, «Löffelchen mit Zucker» aus dem Musical «Mary Poppins», «Skandal um Rosi» von Spider Murphy Gang, ein Song der Beatles und einer der Blues Brothers. Was würde besser in diese kunterbunte Oldies-WG passen, die Stacy Gräni auf die Bühne bringt?
«No nöd ganz 100» ist ihr Erstlingswerk als Drehbuchautorin. «Es musste eine unterhaltsame, entspannende Komödie werden», erklärt sie und verrät gerne etwas vom Inhalt.
Der arbeitslose und verschuldete, rund 50-jährige Sämi muss im riesigen Haus seiner Mutter unterschlüpfen, wo auch deren Freundin Trudi wohnt. Bald wittert er das grosse Geld. Er überredet die Mutter, eine Alters-WG zu eröffnen. Ein kunterbunter Oldiestrupp mit all seinen Macken und Wehwehchen zieht ein. Wegen unerwarteten Ereignissen müssen alle Bewohner über ihren ungesunden Lebensstil nachdenken. Abgesehen davon sorgt natürlich auch das liebe Geld für Turbulenzen.
Ein Vollblutmusiker
«Es ist eine tolle Herausforderung», sagt Christian Ertl. «Ich wollte schon lange mal einen Chor übernehmen, fand aber keinen, in welchem die Chemie stimmte. Wenn man den Musicalverein Mutschellen kennenlernt, fühlt man schnell diese sympathische Kombination aus Herz und Leidenschaft, ergänzt mit etwas Chaos und Wahnsinn. Sehr erfrischend. Ich arbeite auch eher unkonventionell und wurde dennoch – oder vielleicht gerade deswegen – sofort ganz und gar integriert. Eine bereichernde Erfahrung. Das Stück ist witzig und temporeich. Ich freue mich schon auf das Endresultat.»
Er singt bei der A-cappella-Band «A-live», für die er auch viele der Arrangements schreibt. «Seit über 20 Jahren spiele ich Gitarre und singe bei der Bremgarter Jamband ‹Strange Shape› – meine besten Freunde und ein Herzensprojekt. Als ‹Chris Ellis› bin ich in der Bluesrock-Combo ‹Ellis Mano Band› unterwegs. Wir haben im Juni unsere zweite Singleauskopplung und im September die Plattentaufe des Albums. Eine sensationelle Truppe, Herzblutmusik.» Bei «XangsArt» in Bremgarten ist er als Vocalcoach tätig. Er hat ein kleines Studio für Vorproduktionen und kleinere Werbeaufträge.
Seine zweite Berufung hat er auf einer ganz anderen Ebene gefunden. In der Bärengasse führt er mit seiner Partnerin die Praxis «HypnoArt». Sie ist als Mal- und Kunsttherapeutin tätigt, er als Hypnosetherapeut, Leiter für autogenes Training, Mentaltrainer usw.
Stacy Gräni blieb in Erinnerung
«Stacy hat mich aus heiterem Himmel angefragt, ob ich Zeit und Lust hätte, bei ihnen als Regisseur einzusteigen», erklärt David Imhoof. «Wir haben für das Badener Musical ‹The American› schon einmal zusammengearbeitet. Ihre begeisterungsfähige Art ist mir in guter Erinnerung geblieben.» Er wohnt mit seiner Familie in Zürich. «Seit zehn Jahren habe ich jährlich eine Produktion im Aargau geleitet. Jetzt verschlägt es mich wieder in meinen Heimatkanton.»
Er sei nicht per se ein Musicalliebhaber, aber er liebe Musik im Theater. «Zudem bin ich ein neugieriger Mensch und mag es einfach, immer wieder neue Gruppen kennenzulernen. Tolle Stimmen, spannende Menschen, ein sehr professioneller Korrepetitor und ein witziges Stück», rühmt er die Situation im Musicalverein Mutschellen. Seit sieben Jahren arbeitet er jeweils am Montag in einer Privatschule als Theaterleiter. Mit den Kindern und Jugendlichen probt er momentan das Musical «Das Dschungelbuch». Der Schauspieler und Regisseur arbeitet in der eigenen Praxis als Shiatsu-Therapeut und gibt Weiterbildungen für Körpertherapeuten.



