20 Jahre Direkthilfe
13.02.2026 Eggenwil, Region BremgartenDas Nachbarschaftshilfe-Netz «I guete Händ» wurde vor zwei Jahrzehnten gegründet
2006 entstand in Eggenwil mit «I guete Händ» ein Projekt zur Gesundheitsförderung von Pensionierten. Die Vereinigung ist bis heute aktiv. Sie ...
Das Nachbarschaftshilfe-Netz «I guete Händ» wurde vor zwei Jahrzehnten gegründet
2006 entstand in Eggenwil mit «I guete Händ» ein Projekt zur Gesundheitsförderung von Pensionierten. Die Vereinigung ist bis heute aktiv. Sie könnte noch viel mehr helfen, wenn sie angefragt wird.
Roger Wetli
«Bei uns macht jeder, was er kann und will – muss aber nicht», sagt Markus Käch. Er und Ruth Ackermann sind die Ansprechpersonen, über welche die Anfragen für Hilfe in «I guete Händ» hereinkommen. Anschliessend wird dieses Anliegen in die Gruppe gebracht, von wo aus die Kontakte direkt hergestellt werden. «Ist es möglich, zu helfen, geschieht dies in der Regel innerhalb von zwei Tagen, manchmal sogar innert Stundenfrist», ist Käch ein wenig stolz. «Dieses Tempo liegt an den kurzen Distanzen in Eggenwil und daran, dass die meisten Mitglieder pensioniert sind.»
Keine Konkurrenz
Seit 20 Jahren hilft «I guete Händ» im Dorf Menschen beim Einkaufen, Rasenmähen, fährt Leute zum Arzt oder übernimmt in der Ferienzeit das Gartengiessen, Haustiere-Füttern oder Briefkasten-Leeren. «Entsprechend haben wir mehr in der warmen als in der kalten Jahreszeit zu tun», erklärt Markus Käch. «Wir können aber auch mal eine Waschmaschine reparieren, da wir über handwerklich sehr begabte Personen verfügen.» Er betont, dass ihre Einsätze grundsätzlich auf einmalige Hilfe bei Krankheitsausfällen oder sonstigen überraschenden Ausfällen ausgelegt sind. «Regelmässige Fahrten machen wir nicht. Dafür gibt es andere Organisationen. Wir möchten weder privatwirtschaftliche noch soziale Unternehmen konkurrieren.»
Alles einfach gehalten
Mit den kurzen Einsätzen möchte «I guete Händ» verhindern, dass die freiwillige Hilfe zu einem «Müssen» verkommt. «Bei uns soll alles sehr einfach sein. Deshalb haben wir auch keinen Verein gegründet und benötigen keine Generalversammlung. Wir fühlen uns als lose Gruppierung sehr wohl», so Käch. Und das tun die Helferinnen und Helfer jetzt seit zwei Jahrzehnten.
Ins Leben gerufen wurde «I guete Händ» durch Markus Kächs Ehefrau Hanni Käch. Diese Nachbarschaftshilfe entstand aus ihrer Projektarbeit während ihres Masterstudiengangs in Gesundheitsförderung und Prävention. «I guete Händ» sollte der Gesundheitsförderung von Pensionierten dienen. «Das tat und tut sie. Und zwar in drei Bereichen: körperlicher, sozialer und psychischer Gesundheit», ist Markus Käch überzeugt. «Die Idee war und ist, das fachliche Potenzial der Bewohnerinnen und Bewohner von Eggenwil auch nach ihrer Pensionierung zu nutzen. Viele fühlen sich mit Abgabe ihrer regulären beruflichen Tätigkeit gesellschaftlich auf dem Abstellgleis.» Das Engagement bei «I guete Händ» gebe ihnen Selbstwertgefühl, Wertschätzung und stärke die Vernetzung innerhalb von Eggenwil. Grundsätzlich sei die Hilfe kostenlos. «Viele spenden aber trotzdem etwas. Dieses Geld sammeln wir und finanzieren damit Ausflüge für die Gruppe oder basteln zusammen eine Weihnachtsüberraschung.»
Von Anfang an im Einsatz
Die Idee dieser Nachbarschaftshilfe stiess 2006 auf viele Interessierte. Schnell bildete sich eine sehr aktive Kerngruppe, die sich selber zu organisieren begann. «Das war auch von Anfang an das Ziel», weiss Käch. Entsprechend zog sich seine Frau zurück. Das Paar wurde erst wieder aktiv in «I guete Händ», als es selber ins Pensionsalter kam. «Es gab damals sowieso gerade einen grösseren Wechsel in der Kerngruppe. Also dachten wir, dass wir neue Impulse setzen könnten.» Das gelang, «I guete Händ» existiert bis heute. Aktuell beenden die letzten Personen ihr Engagement, die von Anfang an dabei gewesen sind. «Toll finde ich, dass wir trotz aller Wechsel immer zwischen 10 und 15 Helferinnen und Helfer in der Gruppe halten konnten. Das ist in einem 1000-Seelen-Dorf wie Eggenwil nicht selbstverständlich», ist Markus Käch dankbar. Er betont: «Bei uns machen auch Personen mit, welche nicht pensioniert sind. Sie engagieren sich aber vielleicht etwas weniger, weil ihnen die Zeit dafür fehlt.»
Hilfe für alle Generationen
Aber auch die Hilfe ist nicht ausschliesslich auf Rentnerinnen und Rentner ausgelegt. «Es dürfen auch Familien bei uns um Hilfe fragen», sagt Käch. Eine schriftliche Umfrage in Eggenwil im Jahr 2022 ergab, dass «I guete Händ» auch mal zum Babyhüten oder als Grosseltern-Stellvertretung aktiv werden könnte. «Auch die Unterstützung von Fremdsprachigen beim Deutschlernen wurde damals vorgeschlagen», so Käch. «Leider fragte uns dafür nie jemand an. Und dies, obwohl wir all diese Dinge können und dafür Kapazitäten frei haben.» Dasselbe gelte auch für das Hüten von Katzen, Hunden und Vögeln oder die Unterstützung beim Zusammenbauen von Möbeln oder bei kleinen Informatikproblemen. «Bisher mussten wir fast noch nie ein Hilfsgesuch absagen, weil wir niemanden gefunden hatten.»
Auf dem richtigen Weg
Das Ziel von «I guete Händ» für die kommenden Jahre ist deshalb, die jetzigen Strukturen beizubehalten und künftig noch mehr Hilfe zu leisten. Dass sie auf dem richtigen Weg sind, zeigte die Auswertung der ausgefüllten Fragebögen im Jahr 2022. Eine weitere Bestätigung für ihr Tun erhält die Gruppe durch den Gemeinderat. «Wir werden durch diesen sehr wertgeschätzt», ist Markus Käch dankbar. «Insgesamt haben wir also die besten Voraussetzungen, dass ‹I guete Händ› noch viele weitere Jahre helfen kann.»

