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07.08.2026 BremgartenDas lange und bewegte Leben von Richard Widmer, einst erster Waffenplatzverwalter in Bremgarten
Der Bremgarter Richard Widmer wird genau heute Freitag 99-jährig. Gelegenheit für ein ungewöhnliches Interviewgespräch mit einem Mann, der viel bewegt hat ...
Das lange und bewegte Leben von Richard Widmer, einst erster Waffenplatzverwalter in Bremgarten
Der Bremgarter Richard Widmer wird genau heute Freitag 99-jährig. Gelegenheit für ein ungewöhnliches Interviewgespräch mit einem Mann, der viel bewegt hat – im Bezirkshauptort und darüber hinaus.
Hans Rechsteiner
«Niemand kann sicher sein, dass er hundertjährig wird», sagt Richard Widmer, geerdeter Senior. Wohnhaft ist er an der Schlössligasse in der Bremgarter Oberstadt. Widmer wohnt in seinem mit Volumenschutz nachgebauten Altstadthaus. Seine Dienste für Bremgarten und den Kanton, insbesondere für die beiden Waffenplätze Bremgarten und Aarau, verdienen Würdigung, da ist man sich in der Redaktion einig.
Wurzeln und frühe Jahre
Wir sitzen im Parterre in seinem intimen Rückzugsort, den er nach dem Abschied seiner Frau 2025 gerne nutzt. Darin sind Erinnerungen präsent, private, aber auch Erfahrungen aus seiner militärischen Vergangenheit. Richard ist ein Oberst mit rund 1700 Diensttagen, daraus macht er indes kein Aufheben. Seine Tätigkeit in den Stäben vom Bataillon bis zur Division bleiben ihm unvergesslich. Sein Lebenslauf fasziniert.
Am 7. August 1927 ist Richard Widmer am Wohnort seiner Mutter Margaretha in Mumpf am Rhein im Fricktal in diese Welt eingetreten. Richards Vater Alois zog schon 1929 mit der jungen Familie nach Spreitenbach zu seinen historischen Wurzeln. Im Gemeindearchiv erscheint der Name bereits in Jahr 1480.
Vater Alois war technischer Kaufmann bei Brown-Boveri in Baden. Richard ist aufgewachsen mit zwei jüngeren Brüdern – Alois Junior und Erhard – in einem Drei-Generationen-Haushalt, zuerst in der «Chilegass» im Dorfzentrum im «Stöckli» eines Bauernhauses. Später zog die Familie in ein eigenes Haus am Dorfrand. Das damalige Bauerndorf mit 800 Einwohnern mit gutem Kleingewerbe und einer kleinen Ziegelei nennt Richard «am Fusse des Heitersbergs».
Hautnah hat er den Bau der bekannten Limmatstellung der Armee erlebt. Unmittelbar nach der Kriegsmobilmachung 1939 wurde sie zur Abwehr eines möglichen Angriffs aus Norden errichtet. Das damalige Wohnhaus stand mitten in den Waffenstellungen.
Ein Lebensverlauf mit glücklichen Zufällen
Richard Widmer macht die Grundschulen in Spreitenbach und Baden. Nach der Lehre zum Maschinenzeichner bei Brown-Boveri in Baden arbeitet er in einer Firma in Zürich und absolviert berufsbegleitend eine kaufmännische Ausbildung. Dann, 1950, war Widmer erst mal weg. Sprache lernen in Genf und arbeiten in einer Elektroapparatefirma.
1954 empfahl ihm ein Kollege die Ausbildung zum zivilen Zollbeamten. Zollschule in Liestal, ein Jahr im Internat. Seine erste Stelle als Zollbeamter für den Warenverkehr-Import und -Export war auf dem Flughafen Zürich-Kloten. Und dann tut Widmer einen wichtigen Schritt: Inzwischen in der Armee als Quartiermeister tätig, wechselt er vom Zoll in das Eidgenössische Oberkriegskommissariat in Bern als Revisor und zeitweise als Klassenlehrer in den Fourierschulen in der Kaserne Bern.
Durch Zufall nach Bremgarten
1963 sagt ein Kollege von Richard Widmer im Büro: «Du, in Bremgarten unten gibts einen neuen Waffenplatz für die Genietruppen. Man sucht einen Verwalter. Das wäre ein selbstständiger Posten weg von Bern. Eine interessante Aufgabe. Du kommst ja aus dieser Gegend.»
Zur gleichen Zeit wurden in Bern die Ergebnisse eines schweizweit erstmalig in dieser Art durchgeführten Architekturwettbewerbs für den Kasernenneubau in Bremgarten ausgestellt. Das Siegerprojekt war von den Büros Gujer und Pauli in Zürich. Nach dem Besuch dieser Ausstellung hat sich Richard für die neue Stelle in Bremgarten beworben. Er wurde gewählt und hat die Stelle am 1. April 1963 angetreten. Zudem kam er in die Projektkommission für den Kasernenbau.
Wir wagen an dieser Stelle einen Seitenblick auf die Familiengeschichte. Im Sommer 1965 zog die Familie Widmer – Richard und Margot, Sohn Richard und Tochter Regula – nach Bremgarten. Geheiratet hatten sie 1959. Die Baselbieterin Margot Bürgin war damals auch am Flughafen Zürich-Kloten tätig, als Leiterin einer Speditionsfirma für Luftfracht. Erster Wohnort der jungen Familie war in Ostermundigen bei Bern.
Chef der Militärverwaltung
Als erster Waffenplatzverwalter bezog Widmer das Büro im Siechenhaus, heute noch Standort des Waffenplatz-Kommandos. Als Mitglied der Baukommission begleitete er den Neubau der Kaserne, die im Herbst 1968 fertiggestellt und eingeweiht wurde.
Im Frühjahr 1977 wählt der Regierungsrat den ehemaligen Rekruten Richard Widmer, 1947 in der Genie-Funker-RS in Bülach, später mit Laufbahn im hellgrünen Dienst bis zum Oberst und Kriegskommissär in der Territorialzone 2 (Kantone Basel-Stadt, Basel-Landschaft, Solothurn, Aargau, Luzern) zum Chef der Militärverwaltung des Kantons. Ende 1992 würde er in Pension gehen. Seine erste Hauptaufgabe war die Sanierung und der Ausbau der Infanteriekaserne Aarau, die im Jahr 1848 erbaut worden war.
Richard Widmer hat markante Veränderungen in der Militärverwaltung durchgezogen: die Überführung des Kontrollwesens von händischen Karteikarten in die elektronische Personalverwaltung, System «Pisa», der Armee. Und er erlebte Ende der 1980er-Jahre die einschneidenden Veränderungen der neuen Truppenordnungen, die eine grosse Reduktion der Truppenbestände auf nur noch 140 000 Angehörige zur Folge hatten. Die beiden grossen traditionellen aargauischen Verbände, die fünfte Division und die Grenzbrigade, wurden aufgelöst.
Ein verdienter Bremgarter
Zählen wir noch ein paar positive Merkpunkte im Verhältnis Richard Widmers zur Wahlheimat Bremgarten und seine Verdienste auf: Präsident des Stiftungsrates St. Josef von 1969 bis 1984, 1972 Gründung der Wohnbaugenossenschaft des Bundespersonals am Kapuzinerhügel mit 24 gemeinnützigen Wohnungen, Präsident der Stadtschützen. Mitarbeit in städtischen Kommissionen. Von 1973 bis 1977 Mitglied der CVP-Fraktion im Grossen Rat, Austritt wegen Übertritt in die Kantonsverwaltung. 1977 Mitbegründer des immer noch bestehenden Freiämter Schattenkabinetts, der ehemaligen und aktuellen Freiämter Regierungsund Grossräte der CVP, heute Die Mitte.
Zum Schluss des Gesprächs auf seine heutigen Befindlichkeiten und zum Ist-Zustand seines Bremgarten angesprochen, reagiert der körperlich und geistig bewundernswert «zwäge» Senior diplomatisch weise: «Ich beobachte mit Aufmerksamkeit das «Gesellschaftskarussell. Aber mitreiten kann und will ich nicht mehr.»


