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14.06.2024 BremgartenHolzherz im Rennen um prestigeträchtigen Schreiner-Preis
Das einstige Leuefäscht-Herz aus Tannenholz ist beim «Prix Lignum» für die schönsten Schreinerarbeiten nominiert. Ein toller Erfolg für alle Beteiligten. Noch bis heute Abend kann ...
Holzherz im Rennen um prestigeträchtigen Schreiner-Preis
Das einstige Leuefäscht-Herz aus Tannenholz ist beim «Prix Lignum» für die schönsten Schreinerarbeiten nominiert. Ein toller Erfolg für alle Beteiligten. Noch bis heute Abend kann man für das Bremgarter Vorzeigeprojekt voten.
Marco Huwyler
Für seine Schoggiseite ist das Städtli bekanntlich weit über die Kantonsgrenzen hinaus bekannt. Logisch also, dass sich die Verantwortlichen des Leuefäschts vor einem Jahr Gedanken darüber machten, wie man das einzigartige Skyline-Panorama mit der Reuss zu Füssen am besten in Szene setzt. Zumal an einem Stadtfest, das auch ein wenig als Visitenkarte für Bremgarten dienen sollte. Viel zu tun braucht es dafür ja nicht. Ein Augenschmaus ist die Schoggiseite eh immer – und deshalb Sujet für jahrein, jahraus Tausende Fotos. Deshalb waren die Ideen des OK nicht pompös, dafür umso passender. Ein grosser Rahmen, in den man sich hineinsetzen oder stellen kann, sollte den Schnappschussbegeisterten als ideale Vorlage dienen, um im Festtrubel das Handy für ein Erinnerungsfoto zu zücken. Eine grosse Hollywoodschaukel daneben Verweilen und Entschleunigen einladen. Und schliesslich entstand noch die Idee eines zweiten Foto-Rahmens in Herzform – ein Herz, das die Liebe zum Miteinander und zum wunderschönen Städtli gleichermassen symbolisiert.
Eine Arbeit von Lehrlingen
Die Umsetzung oblag der Bremgarter Familien-Schreinerei und Erfolgsfirma Hüsser. «Eine super Sache und coole Möglichkeit für uns. Ich konnte mich sofort dafür begeistern», erinnert sich Geschäftsführerin Barbara Hüsser lächelnd. «Zumal auch wir Bremgarten natürlich in unser Herz geschlossen haben. So konnten wir die Liebe zum Schreiner-Handwerk, der Natur und unserer Heimat in einem Werk verwirklichen.»
Mit den Arbeiten betraute Hüsser ihre beiden talentierten Lehrlinge Kilian Konrad und Louis Noack. Die beiden erarbeiteten das Herz von A bis Z selber. Fertigten aus Tannenholz Einzelstücke an, die bei einem symmetrischen Objekt wie dem Herz mit seinen Rundungen perfekt aufeinander abgestimmt sein mussten. Sie programmierten die Maschine, um das überdimensionale Herz millimetergenau in Form zu fräsen. Um die nötige Dicke als Sitzgelegenheit zu erhalten, wurden die Teile Schicht für Schicht verleimt. Gemeinsam mit dem Bauamt Bremgarten wurde das Holzherz schliesslich in die vorbetonierten Stelen montiert. Und das Resultat liess sich sehen und wurde rege genutzt.
Kaum ein Moment verging während der vier Tage im Juni letzten Jahres, an dem das Kunstwerk nicht von einem der rund 100 000 Leuefäscht-Besucher verewigt wurde. Und auch danach erfreute es noch wochenlang die Passanten, die bei den Kunstwerken aus dem Hause Hüsser einen Moment innehielten.
Zum Abbau gezwungen
Ein Jammer bloss, dass das Herz, wie auch seine Schwester-Attraktionen Hollywoodschaukel und Fotorahmen, in den Monaten nach der grossen Bremgarter Sause wieder abgebaut werden musste. Kantonale Bestimmungen zum Uferschutz liessen ein dauerhaftes dort Stehenlassen offenbar nicht zu. Die drei Holzkunstwerke, welche von Bremgarten Tourismus erworben und der Stadt übergeben wurden, sind momentan beim Werkhof eingelagert. «Ich hoffe, dass sich dereinst eine dauerhafter Platz und Verwendung für die Arbeiten finden lassen», sagt Barbara Hüsser. Allerspätestens am Leuefäscht 2030 werden die drei Schreinerarbeiten sicher wieder zum Einsatz kommen – hoffentlich bereits vorher (vgl. auch Box).
Gut im Rennen
Bis dahin bietet der «Prix Lignum» eine gute Gelegenheit, das Bremgarter Kunstwerk nochmals gebührend hochleben und in Erinnerung rufen zu lassen. Der Preis zeichnet seit 2009 alle drei Jahre innovativen, hochwertigen und zukunftsweisenden Einsatz von Holz aus. Erstmals werden 2024 nicht nur Holzbauten, sondern auch Schreinerarbeiten prämiert. «Da dachten wir uns, probieren wir es einfach mal», lacht Barbara Hüsser. Hocherfreut nahm sie zur Kenntnis, dass das Holzherz und zwei weitere individuelle Arbeiten ihrer Bremgarter Schreinerei angenommen wurden.
Der Wettbewerb läuft seit einigen Wochen. Neben einer Jury kann auch das Publikum für die gelungensten Holzarbeiten mit abstimmen. Und ein Tag vor dem Ende des Publikumsvotings ist das Bremgarter Holzherz noch immer vorne dabei. Ein Regionalpreis scheint der Lehrlingsarbeit von Konrad und Noack sicher. «Für den schweizweiten Sieg wirds wohl nicht ganz reichen», lächelt Hüsser. Dafür sei der Abstand zu den momentan Führenden zu gross.
Doch wer weiss – vielleicht gelingt den Bremgartern ja ein überragender Endspurt. So oder so – die Nominierung zum Prix Lignum ist nochmals ein schöner Erfolg für ein Zeugnis des tollen Sommerfestes – aber auch für die Liebe und ganz Bremgarten mit seiner unvergleichlichen Schoggiseite.
Abstimmen noch bis heute Freitag, 14. Juni, bis Mitternacht unter: www.prixlignum.ch.
Dereinst wieder beim Casino?
Das Holzherz, der Fotorahmen und die Hollywoodschaukel wurden ursprünglich mit der Idee konzipiert, diese am Standort auch nach dem Ende des Leuefäschts dauerhaft jeweils während dem Sommerhalbjahr aufstellen zu können. Durch den Kanton wurde jedoch nur eine temporäre Ausnahmebewilligung für die Festdauer erteilt. Der Standort ist aufgrund der Ufernähe nicht baubewilligungsfähig. Der Werkhof hat die drei Gegenstände nun im städtischen Lager eingelagert. «Die Stadt hat die Absicht, bei einer zukünftigen Umgestaltung des Casino-Areals die drei Gegenstände bei der Möblierung des neuen Uferbereichs einfliessen zu lassen», sagt der zuständige Stadtrat Stephan Troxler. Einen temporären Aufstellplatz für das Herz hat man bis dato nicht gefunden. Auch weil dieser gewisse Ansprüche erfüllen muss. «Es bringt ja nichts, das Herz zum Beispiel auf den Schulhausplatz zu stellen. Sinn war es , durch das Herz einen Ausblick auf Bremgarten zu erhalten», so Troxler. --huy

