«Nudelfertig» nach den Spielen
09.06.2026 Sport, FussballDie ganze Welt schaut hin
Der Freiämter Schiedsrichter Fedayi San ist an der Fussball-Weltmeisterschaft dabei
Am Donnerstag startet die Fussball-WM in Mexiko, Kanada und den USA. Mit dabei: Fedayi San, der als VAR tätig ist.
Stefan Sprenger
16 Jahre lang war kein Schweizer Schiedsrichter mehr an einer Weltmeisterschaft dabei. Damals war der Wohler Francesco Buragina der Linienrichter von Schiri Massimo Busacca. Und nun, vier Weltmeisterschaften später, reisen wieder Schweizer Unparteiische an eine WM: Schiedsrichter Sandro Schärer, Assistent Stéphane de Almeida und Video Assistant Referee (kurz: VAR) Fedayi San.
Der 43-Jährige, der für den FC Tägerig pfeift, sagt voller Vorfreude: «Die Fussball-WM ist etwas vom Grössten in der Sportwelt. Dass ich dabei sein darf, ist eine grosse Ehre.» Am Donnerstag startet die WM mit dem Startspiel zwischen Mexiko und Südafrika. Die Schweizer Nati spielt am Samstag gegen Katar (21 Uhr). Wann Fedayi San im Einsatz ist, erfährt er jeweils erst wenige Tage vor dem Spiel.
Sicher ist: San hat viel Erfahrung. In der Super League ist er Rekordhalter in Sachen Einsätze. Und auch als VAR hat er einiges erlebt, war in diesem Jahr beim Final der Women’s Champions League und im Halbfinal der Conference League im Einsatz. Trotzdem: Die Fussball-WM ist nochmals eine Nummer grösser. Denn: «Die ganze Welt schaut zu», sagt San, der ab sofort einen Monat in Dallas zu Hause sein wird.
Weltmeisterschaft: Der Freiämter Fedayi San ist in Dallas als Video Assistant Referee (VAR) tätig
Er ist Rekord-Schiedsrichter der Super League, gehört als Video Assistant Referee (VAR) zur Weltspitze. Nun ist der Freiämter Fedayi San an der Weltmeisterschaft, wird über einen Monat in Dallas als VAR für das Schweizer Schiri-Team tätig sein. «Eine Fussball-WM ist etwas vom Grössten in der Sportwelt. Es ist eine grosse Ehre, dass ich dabei sein darf», so der 43-Jährige.
Stefan Sprenger
Der Druck ist gross. «Die ganze Welt schaut zu, Millionen von Menschen interessiert diese Fussball-WM», sagt Fedayi San. Sein Ziel als Video Assistant Referee (VAR) lautet: «Einen guten Job machen.» Und der erfahrene San hat schon viel erlebt. Er weiss, wie man mit Druck umgeht, und kennt sich so gut aus im Schiedsrichterwesen wie wenig andere Menschen auf diesem Planeten.
«Sandro Schärer ist auch privat ein guter Freund»
San ist der «dienstälteste» Referee der Super League und zudem auch Rekordhalter in Sachen Einsätze in der höchsten Schweizer Liga (246 Spiele hat er bislang geleitet). Seit 2015 ist er FIFA-Schiedsrichter, leitete Spiele in der Champions-League-Qualifikation, der Nations League oder Europa League. Als VAR darf er die ganz grossen Spiele der Champions League begleiten. Barcelona, Real Madrid, Bayern München – mehr geht nicht auf Klub-Ebene. Zu 90 Prozent ist der Schweizer Sandro Schärer dabei der Schiedsrichter. «Sandro Schärer ist auch privat ein guter Freund. Das hilft auch bei der Arbeit beim Fussball», erklärt San, der seit einem Jahr Vollzeit-Profi-Schiedsrichter ist und nach wie vor unter der Flagge des FC Tägerig pfeift.
Im Vorfeld der Weltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA gab es für ihn viel zu organisieren. Der Grossteil im privaten Bereich. Erst kürzlich ist die Familie umgezogen, weg aus ihrer Mietwohnung in Birmensdorf (Zürich) in ein Einfamilienhaus nach Arni im Kelleramt.
In Arni gefällt es der Familie
Fedayi San, seine Frau Jennifer und die drei gemeinsamen Söhne sind happy über ihr neues Zuhause. «Die Umgebung ist herrlich, die Menschen toll. Jetzt haben wir keinen grossen Coop mehr, aber einen Volg. Wir haben keinen grossen Bahnhof mehr, aber eine Bushaltestelle. Wir haben einen grossen Garten. Unser Eigenheim in einem ruhigen Dorf war ein grosser Wunsch und es macht der ganzen Familie viel Freude. Aber es gibt auch einiges mehr zu tun als früher», sagt er. Vor seiner Abreise am 31. Mai musste er viele technische Dinge im Haus regeln. Denn der Rückflug ist erst am 20. Juli geplant. Wie geht die Family damit um, dass er sechs Wochen weg ist? San sagt: «Meine Frau hat zu Hause alles im Griff. Dieser grosse Support von Jennifer ist Gold wert und ohne sie würde es nicht funktionieren. Ich bin ihr sehr dankbar. In Vergangenheit war ich schon öfters länger weg während den internationalen Einsätzen, zuletzt an der Fussball-EM 2024. Wir sind es uns gewöhnt und kennen diese Situation.»
Kleine Rolle, riesiger Stolz
Angesichts dieser Worte spürt man es: Fedayi San hat eine wunderbare und umgängliche menschliche Seite. Dies macht ihn beliebt bei seinen Mitmenschen – egal ob Kumpel, Nachbar oder Profifussballer. Seine coole Art hat ihm aber sicherlich dabei geholfen, dass er einer der angesehensten Schiedsrichter des Landes ist.
Vor dem grössten Anlass des Jahres sagt er: «Ich bin riesig stolz, an dieser WM dabei zu sein und eine kleine Rolle zu übernehmen. Ich freue mich sehr. Und ich bin zuversichtlich, dass es erfolgreich wird für uns.» 16 Jahre nach Massimo Busacca in Südafrika sind wieder Mitglieder des Schweizer Schiedsrichterwesens dabei. Schiedsrichter Sandro Schärer, Assistent Stéphane de Almeida und VAR Fedayi San. Ja, das ist wahrlich eine grosse Ehre. Für das Freiamt ein spannender Fakt: 2010 an der WM in Südafrika war Francesco Buragina aus Wohlen als Assistent dabei (siehe Kasten).
In Dallas muss das Hotel stimmen
Anfang Juni absolvierten Fedayi San und das Schiri-Team eine Vorbereitungswoche in Miami. Dort wird auch während der WM das Hauptquartier der Schiedsrichter und Assistenten sein. Nicht aber für die Video Assistant Referees. Die sind in Dallas stationiert. Dort ist San während den Partien direkt mit dem Schiedsrichter-Team (es muss nicht nur Sandro Schärer sein) verbunden und kann sich aus der VAR-Zentrale einschalten, wenn es nötig ist. Es werden Millionen Menschen zusehen. San bleibt gelassen: «Druck ist da. Aber während dem Spiel spüre ich das nicht. Dann bin ich enorm fokussiert und konzentriert auf meinen Job.»
In Dallas im Bundesstaat Texas wird er über einen Monat zu Hause sein. «Ich war schon mal am Dallas Cup und kenne mich ein bisschen in der Stadt aus», sagt San. Vom 2000-Seelen-Dorf Arni geht es für ihn in die 1,3 Millionen-Stadt Dallas. Wird er sich auch die Stadt anschauen? Fedayi San muss lachen: «Nein. Es ist keine Ferienfahrt. Ich bin zum Arbeiten da. Das Hotel muss stimmen, damit die Erholung stimmt. Nach einem Einsatz als VAR habe ich so viele Spielszenen angesehen, dass ich danach nudelfertig bin. Aber ich bin mir sicher, es wird alles optimal organisiert sein.»
Kommt die Nati weit, ist es für ihn schlecht
Der Rückflug ist am 20. Juli geplant. Der Final wäre am 19. Juli. San sagt: «Wie lange wir bleiben dürfen, hängt von unseren Leistungen ab. Und auch, wie weit das Schweizer Nationalteam kommt.» Man will Kritikern, die behaupten, Schiedsrichter seien nicht neutral, gar kein Futter geben. Deshalb: Je weiter die Nati kommt, desto eher ist Schluss für die Schweizer Schiedsrichter.
Fedayi San hat riesigen Spass an seiner Aufgabe als Schiedsrichter und VAR. «Ohne Freude geht es nicht», sagt er. Die Feedbacks zu seinen Leistungen sind meist positiv. «Ich glaube, ich mache keinen schlechten Job», sagt er lachend. San gibt aber zu, dass Leistungssport in seinem Alter nicht ganz ohne ist. «Ich bin aber gesund, topfit und mache jeden Einsatz mit grosser Begeisterung und Freude.» Als Aktiv-Schiedsrichter in der Schweiz wird er mindestens noch ein Jahr lang machen. Als VAR könnten noch einige grosse Turniere dazukommen. «Ich hoffe es», sagt San.
Wann er und die übrigen Schweizer an der WM im Einsatz stehen, ist offen. Die Unparteiischen und Assistenten werden darüber erst wenige Tage im Voraus informiert. Zwei Dinge sind sicher: Fedayi San freut sich enorm. Und er wird in den kommenden Wochen wohl nicht nur als VAR an die WM-Spiele kommunizieren, sondern trotz mehrerer Stunden Zeitverschiebung auch Video-Telefonate mit der Familie in Arni führen.
Wie damals Buragina
Zuletzt waren 2010 Schweizer Schiedsrichter an einer WM dabei. Der Linienrichter von Haupt-Schiri Massimo Busacca an der WM in Südafrika war Francesco Buragina aus Wohlen. Buragina war jahrelang einer der besten Linienrichter der Welt, erlebte gigantische Höhepunkte wie die EM 2004 in Portugal, die WM 2006 in Deutschland oder eben 2010 in Südafrika. Zwischen 2001 und 2011 assistierte er zudem bei 36 Spielen in der Champions League – darunter zwei Finalspiele. Die starke Freiämter Schiedsrichter-Geschichte schreibt nun Fedayi San als VAR weiter.
--red



